Bewusst einkaufen – aber wie?

Das Hallein meiner Kindheit ist das Hallein mit Kral, Farben Christ und Stefanitsch. Beim Kral gab’s Wolle, Kleider und Stoffe, Stefanitsch war ein riesiger Metzgerladen, und im zweistöckigen Farben Christ hat man von Bastelkugeln bis Holzlack alles bekommen. Das war der Fachhandel.

Jetzt können Sie sich eh schon denken, dass keins dieser Geschäfte – genau wie die anderen von damals – heut noch existiert. Daran dachte ich, als mein Literaturbloggerkollege, der Kaffeehaussitzer, in seinem Artikel „Wir haben die Wahl“ geschrieben hat, dass der Erfolg von Trump und der AfD auf dem Wegsterben des Mittelstands gründet, auf einem gesellschaftlichen Wandel, der „kleine Läden, Handwerksbetriebe, familiengeführte Geschäfte – alles, was Kleinstädten Struktur, Arbeit und damit Sicherheit“ gab, vernichtet hat. Übrig blieben, vereinfacht gesagt, Geisterstädte voll frustrierter Menschen, die sich „an denen da oben“ rächen wollen.

Wir sollten bewusster konsumieren, den lokalen Handel unterstützen, nicht alles online bestellen. Schön und gut, aber: Das ist nicht so einfach. Punkt 1: Der lokale Fachhandel IST ja schon weg. Die meisten Sachen bekomme ich vor Ort ganz einfach nicht. Punkt 2: Auf dem Land haben wir eine Versorgung mit Supermärkten, Bäckern, Banken und Apotheken. Das war’s. Punkt 3: Amazon – der verteufelte Feind des Einzelhandels – macht’s einem halt so leicht. Ein Klick, und was ich brauch, kommt wie von Zauberhand zu mir. Punkt 4: Oft ist das auch noch viel günstiger. Punkt 5: Statt der alten Läden gibt es Saturn, Kik und H&M. Ist es denn besser, diese Ketten zu unterstützen?

Ich denke bei meinem Konsumverhalten sehr wohl nach. Und finde oft keinen Ausweg. Ein paar Beispiele: Nach dem Schulstart wurde klar, dass unser Sohn – wie alle anderen Kinder – eine Warnweste haben sollte. Wo zur Hölle kriegt man sowas in einem Dorf? Wenn man noch dazu den ganzen Tag arbeiten muss? Ein Klick, und er hatte in kürzester Zeit mehr Sicherheit. Unseren Staubsauger wollten wir lokal kaufen – doch auf Amazon kostete er 70 (!) Euro weniger. Der einzige Eyeliner, mit dem ich klarkomme, war in keinem Laden mehr aufzutreiben, weil das Make-up-Sortiment so schnell wechselt, einen Klick entfernt gab es ihn jedoch noch. Mit sehr vielen dieser Alltagsdinge geht es mir so. Ich finde das nicht gut, und ich vermisse die Läden meiner Kindheit mit ihrer Vielfalt und Geschichte sehr. Aber ich habe immer mehr das Gefühl: Dass sie weg sind und nicht wiederkehren, kann ich nicht ändern.

Mareike Fallwickl  arbeitet als freie Texterin und Lektorin.