Filmkritik: „The Square“

Christian leitet in Stockholm ein Museum für Gegenwartskunst. Seinen Job macht er souverän, spontan absolviert er rhetorisch brillante Interviews.

Privat ist er zwar geschieden, dennoch führt er ein soziales und privilegiertes Leben. Sein Handeln, seine Identität stellt der selbstbewusste Kurator nicht in Frage. Bis eines Tages Trickdiebe sein Smartphone und seine Geldbörse stehlen und dadurch sein geordnetes Leben außer Kontrolle zu geraten beginnt. In der Folge hat der zunehmend Verunsicherte nämlich gleich an mehreren Fronten zu kämpfen, u.a. mit einer unrunden Affäre mit einer Journalistin, einer verunglückten, weil allzu provokanten PR-Kampagne für sein neuestes Projekt sowie mit einem rabiaten Jungen, der sich zu Unrecht des Diebstahls verdächtigt fühlt.

Inszenierung:

Der schwedische Regisseur Ruben Östlund provoziert die Kinogeher gerne mit moralischen Versuchsanordnungen. In seinem großartigen Drama „Höhere Gewalt“ zeigte er zuletzt das Zerbröckeln einer Familie. In „The Square“ übt er nun umfassendere Kritik. Diese richtet sich hierbei an die zynischen Medien, die problemlos ethische Grenzen überschreiten, um Aufmerksamkeit zu bekommen, an den eitlen Kunstbetrieb mit seinem intellektuellen Geschwafel, und vor allem an eine Gesellschaft, die zunehmend von Egoismus, mangelnder Menschlichkeit und einer sozialen Zuspitzung geprägt ist. Immer wieder spielen in diesem Film Bettler eine Rolle. Und an zentraler Stelle wird folgende Frage in den Raum gestellt: „Wieviel Unmenschlichkeit ist nötig bis wir Ihre Menschlichkeit wecken?“ „The Square“ irritiert hierbei mit aberwitzigen Einfällen. Mal stört ein Mann mit Tourette-Syndrom ein Künstlergespräch mit anzüglichem Vokabular, mal zerstört ein Putzmann versehentlich eine Sandhäufchen-Installation. Bei den Filmfestspielen von Cannes 2017 wurde der Film zu Recht mit der Goldenen Palme ausgezeichnet.

 

 

Der bewegendste Moment:

Höhepunkt des Films ist zweifellos ein Galadinner, bei der ein Performancekünstler als Affe auftritt und die reichen und eleganten Gäste zu Tode ängstigt.

Fazit:

„The Square“ übt unterhaltsam-beißend Gesellschaftskritik. Ein Film, über den sich trefflich diskutieren lässt. (Ab 17. November in den Kinos)

Von Helmut Hollerweger

 

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