Rechter Haken, linker Kick

Frauen, wehrt euch! Das ist eine Botschaft in der aktuellen Debatte um sexuelle Übergriffe. Eine  Salzburger Kampfsportlerin zeigt Frauen, wie man sich  im Notfall durchboxt.

Man kennt ihn aus Boxkämpfen im Fernsehen: Der rechte Seitwärtshaken hat schon viele Boxer ins K.o. befördert.  Dieser Schlag mit der rechten Faust auf die linke Wange des Gegners ist beliebt bei Christin Fiedlers Thaibox-Schülerinnen. Genauso wie der linke Lowkick. Wenn sie den üben, reißen die Frauen das linke Knie in die Höhe und kicken dann ihrem Gegner mit voller Wucht mit dem linken Schienbein auf den rechten Oberschenkel.
Thaiboxen ist eine harte Sache. In dem Kampfsport aus Thailand setzt man den ganzen Körper ein: Von den Fäusten und Ellbogen bis hin zu den Füßen, Schienbeinen, Knien. Noch bis vor 20 Jahren fand man in Thaibox-Kursen – und  Wettkämpfen  – praktisch keine Frauen.

Warum Frauen zu Boxen beginnen

Das hat sich in den letzten Jahren gewaltig geändert. Mitverantwortlich dafür sind Frauen wie Christin Fiedler (im Bild oben 2. v.li.. Ganz links Fiedlers Nachwuchshoffnung, Stella Hemetsberger, 16, neuerdings Junioren-Europameisterin im K1 Kickboxen). Wenn die Halleinerin im RS Gym in Wals-Siezenheim Schläge und Tritte ansagt, ist es mucksmäuschenstill im Raum. Die 32-Jährige  strahlt Autorität aus. Laut werden, gar pfeifen wie manch Turnlehrer hat sie nicht not. Die gelernte Kindergartenpädagogin (!) geht wertschätzend mit ihren Schüler/innen um.  Das bringt auch ihr Respekt. Statt mit Kindern im Morgenkreis zu singen, erringt die Halleinerin  seit Jahren einen Titel nach dem anderem im internationalen Kickboxsport (ähnlich dem Thaiboxen, das der Staat aber nicht fördert). Vergangene Woche kämpfte die amtierende Kickbox-Vizeweltmeisterin in Ungarn bei der diesjährigen WM mit.
Das „Fenster“ hat die Medaillenjägerin bei ihrer WM-Vorbereitung in Ungarn  erreicht und angesichts der aktuell zahlreichen bekannt gewordenen Fälle von sexueller Belästigung gefragt: Inwieweit können Frauen und Mädchen, die Thaiboxen trainieren,  bei sexueller Belästigung Taten statt Worte setzen?   Für Fiedler ist klar: „Thaiboxen an sich ist Selbstverteidigung.“ Das schweißtreibende Training mit Springen, Liegestützen und Beinhebern kräftigt den ganzen Körper. Fitness und die Beherrschung von Schlägen und Tritten  sind aber nur eine Trainingsfolge. „Wer trainiert, verändert  sein Wesen“, erklärt Fiedler. Viele Frauen kämen anfangs wenig selbstbewusst, das ändere sich aber schnell.
Die neue Haltung sehe man den Frauen und Mädchen auch an: „Die gehen  aufrechter und strahlen  aus, dass sie sich bei Attacken wehren können.“ Sie selbst, schmunzelt Fiedler, würde Thaiboxen auf der Straße nicht anwenden. Alleine durch ihren Gang komme sie erst gar nicht in so eine Situation.

Von Sabine Tschalyj

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