#metoo?

Bestimmt haben Sie’s gesehen, die sozialen Medien – und mittlerweile auch die Printmedien – sind voll davon: Unter dem Hashtag #metoo bringen Frauen (und Männer!) in aller Welt (bzw. in der Welt mit freiem Internetzugang) zum Ausdruck: Mir ist das auch passiert. Ich wurde attackiert, genötigt, betatscht, missbraucht.

Ausgehend von dem Skandal rund um den Hollywood-Produzenten Weinstein hat die Schauspielerin Alyssa Milano das erste #metoo auf Twitter gepostet, um den vielen Stimmen eine Möglichkeit zu geben, sich zu sammeln. Schon am folgenden Morgen waren es über 30.000, die #metoo aufgriffen, in kürzester Zeit brandete der Hashtag durch Amerika nach Europa.

Karikatur: Thomas Selinger – www.seli.at

Als meine Timeline voll von #metoo war, dachte ich: Das betrifft mich ja nicht. Ich kann nichts posten, mir ist nie „was passiert“. Dann ist mir eingefallen, dass ich 2004 in Verona war, an der Uni zum Italienischerlernen, und wir abends verfolgt wurden von einem, der was in der Hand hielt, das in der Hose hätte sein sollen. Dann ist mir eingefallen, dass wir das den Professoren erzählt haben, die nur lachend abgewinkt haben.

Dass viele Chefs und Auftraggeber krass unpassende Bemerkungen machen, die ich halt schlagfertig überspiele. Dass ich an Wände gedrängt und festgehalten wurde. Dass wir Frauen uns, wenn wir im Club tanzen, wortlos mit Blicken und Gesten verständigen und Kreise bilden, um einander abzuschirmen vor jenen Typen, bei denen zwar noch alles in der Hose, aber nicht mehr weich ist. Dass wir nach dem Tanzen beim Heimgehen leere Bierflaschen in der Hand halten mit dem Plan, ihnen den Boden abzuschlagen und sie zu einer Waffe umzufunktionieren für den Fall der Fälle.

Kleine Alltagsbegebenheiten, nichts Besonderes. Und das ist der Grund, warum ich doch auch was dazu schreibe: weil das alles für uns Frauen so normal ist, dass ich zuerst nicht mal dran gedacht hab. Was gibt’s schon zu sagen, ist ja „nix passiert“! Aber ich frag mich, was ich tun kann, damit sich das für die Generation meiner Kinder ändert. Gut an #metoo finde ich deshalb die Bewusstmachung. Reden wir endlich drüber! Und zeigen wir unseren Kindern, dass sie nichts stumm hinnehmen müssen, dass sie es sofort sagen können und sollen, wenn ihre Grenze überschritten wurde – und dass sie dann ernst genommen werden. Wir sollten ihnen das nötige Rüstzeug mitgeben, indem wir sie lehren, dass sie Nein sagen dürfen und müssen – aber auch, dass sie ein solches Nein zu akzeptieren haben, egal von wem, egal in welcher Situation. #nichtmitmir

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