Grantlerblues Teil 2

Der berühmte österreichische Grant ist ein komplexes Thema, deswegen muss ich das heut noch weiterführen: Denken Sie, dass es sich dabei um Kulturgut handelt? Um etwas Schützenswertes gar?

Oder machen wir es uns, wenn wir sagen „Wir Österreicher sind halt so“ nicht einfach nur bequem im Motzmodus – und reden uns raus, damit wir nix ändern müssen? „Von der österreichischen Neidgesellschaft hört man immer wieder. Und davon, dass hierzulande die Dinge sofort schlechtgeredet werden. Vom Mindset in den USA solle man sich da eine Scheibe abschneiden. In Österreich ist man für so viel Lob aber einfach zu grantig“, schreibt forbes.at im Artikel „Der gute alte Grant“ und weiter: „Aber manchmal muss man den Grant auch loben. Denn tief fallen kann man in Österreich eher schwer, da hoch steigen so gut wie unmöglich ist.“ Na super.

Das bedeutet doch, dass sowieso alles beschissen läuft bei uns in Österreich. Motiviert wird man nicht, schlechtgeredet wird einem alles, und wenn man dann scheitert, haben’s eh alle kommen sehen. Begegnen wir einander wirklich permanent mit einer niedrigschwelligen Aggression? Ich muss gestehen: Ich kann damit nicht auf ernsthafte Weise umgehen, ich fange immer an zu lachen. Wenn ich beim Kundenservice, beim Arzt oder an einer Kassa angegrantelt werde, amüsiert mich das ungemein. Das ist gar nicht gut, denn es führt bei meinem Gegenüber zu noch mehr Grant. Dann sag ich schon mal mit ätzendem Sarkasmus: „Sie sind ja eine Ausgeburt an Freundlichkeit. Muss Ihnen wirklich Spaß machen, Ihr Job.“ Da hagelt’s giftige Blicke, die mich töten würden, wenn sie könnten.

Jetzt bin ich das als Österreicherin freilich gewohnt, aber schön ist das trotzdem nicht. Was einem ja erst so richtig auffällt, wenn man im Urlaub schockiert und befremdet feststellt, wie nett die Menschen in anderen Ländern sind. Aber: Selber bin ich auch nicht die Fröhlichkeit in Person. Weit gefehlt! Ich hab den Basisgrant im Blut wie die roten und die weißen Blutkörperchen.

Die meiste Zeit wünsch ich mir nur, dass alle mich an’glahnt lassen. Und wenn sie es nicht tun, muffel und grummel ich vor mich hin wie der Grinch. Nur: Worauf gründet er eigentlich, dieser Grant? Wie kann denn ein Volk, das umgeben ist von frischer Luft, idyllischen Bergen und Seen, erfolgreichen Skistars und haufenweise Marillenknödeln, überhaupt derart unwillig werden, dass es zu den unfreundlichsten der Welt gehört? Entschuldigen’S, aber das ist schon sehr deppert. Da werd ich gleich ganz grantig.

Mareike Fallwickl  arbeitet als freie Texterin und Lektorin