Auf in die Welt! Reisen formt die Persönlichkeit

Start-Up schickt Manager in Schwellenländer. Dort helfen sie Sozialunternehmern. Und lernen.

Die Welt ändert sich, auch jene der Unternehmen. Der autoritäre Führungsstil ist nicht mehr gefragt, es braucht Unternehmer, die „authentisch“ sind, ist Tina Eckert (35) überzeugt: „Führung muss von innen heraus kommen.“ Und Reisen bietet eine gute Möglichkeit, seine Persönlichkeit weiterzuentwickeln, weiß die einstige Reisejournalistin.

2010 gründete sie das Start-Up „Karmalaya“ mit Sitz im Techno-Z Itzling, das sich auf Freiwilligen-Reisen spezialisiert hat. Jetzt geht sie mit ihrem Partner Matthias Eckert einen Schritt weiter. 2018 schicken die beiden mit ihrem „KALiiS“-Leadership-Programm die ersten Manager auf Reisen – nach Uganda, Mexiko und Nepal. Als Partner holten sie die Trigon-Entwicklungsberatung und das Mindful Leadership Institut an Bord.

In den Entwicklungs- und Schwellenländern treffen die Manager auf Sozialunternehmer. Wie etwa eine HIV-Waise aus Uganda, die eine App zur sexuellen Aufklärung entwickelte, wo man anonym Fragen stellen kann. Heute beschäftigt sie über 100 Mitarbeiter.

Was kann ein Unternehmer aus Österreich tun, um sie zu fördern? „Wo hakt es und wohin will sich das Unternehmen entwickeln, diesen Fragestellungen wird gemeinsam nachgegangen“, erklärt Eckert.

Die 35-jährige Salzburgerin Tina Eckert hat sich mit ihrem Start-Up „Karmalaya“ auf soziales Reisen spezialisiert. Fotos (2): Suchanek

Auch über den Zeitraum der einwöchigen Reise hinaus. Ein Jahr lang werden die Unternehmer in virtueller Beziehung stehen, und dabei von Coaches begleitet. „Es geht darum, voneinander zu lernen, querzudenken.“ Die Sozialunternehmer erhalten zudem eine Anschubfinanzierung für den nächsten Wachstumsschritt.

Und wie profitiert der Österreichischer? „Er muss sich Herausforderungen stellen, das fördert seine Entwicklung, sein Verständnis. Und er reflektiert den Prozess. Was kann ich davon in meine Firma, meinen Alltag mitnehmen?“

Es soll eine Begegnung auf Augenhöhe sein. Entwicklungshilfe, wo ungefragt Hilfe übergestülpt wird, ist für Eckert überholt. So sieht das auch die ADA, die Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, die „KALiiS“ für drei Jahre fördert. 300 Sozialunternehmer sollen bis dahin von dem Programm profitieren.

Dringend nötig: Standards für sozial engagiertes Reisen

Soziales Reisen boomt, Freiwilligenaufenthalte sind beliebt. Junge Menschen zahlen viel Geld, um in fernen Ländern Kindern oder Tieren zu helfen. Das treibt oft seltsame Blüten. So war kürzlich in der „Zeit“ von Waisenhäusern in Asien zu lesen, die Kinder aus Familien holten, um den Bedarf zu decken.

Eckert sieht diese Entwicklung kritisch. Die Arbeit, die Freiwillige leisten müssen, sei oft nicht sinnstiftend. Sie arbeite deshalb gerade mit Organisationen Standards für soziales Reisen aus, die es bis dato nicht gibt: „Es ist eine sensible Branche.“

Von Petra Suchanek