Alarm: Viele Igel sind heuer unterernährt

Die Igel haben es so schon nicht leicht. Nun setze ihnen auch noch das Insektensterben zu, sagt Expertin. Was tun?

460 Igel überwinterten im Vorjahr bei Gabriele Reisinger in St. Lorenz am Mondsee. Die pensionierte Volksschullehrerin und Vereinsvorsitzende der „Igelhilfe Österreich“ hat bei sich zuhause eine Station für die Stachelhäuter eingerichtet. Dort betreut sie Findlinge, die in der Natur keine Chance haben.

Sie peppt sie auf, pflegt sie gesund, bringt sie sicher über den Winter, um sie im Frühjahr wieder in die Natur auszusetzen. 180 Boxen stehen in ihrer Garage zum Überwintern bereit, im Haus drei Zimmer. Bis zu 600 Futterschüsseln wäscht Reisinger in Hochphasen. Täglich. Und ehrenamtlich.

Warum tut sie sich das an? Natürliche Selektion ist bekanntlich ein Naturgesetz. Doch der Igel steht auf der Roten Liste, seine Art ist gefährdet. Und in diesem Jahr läuten bei Gabriele Reisinger die Alarmglocken besonders laut. „Die Igel werden immer weniger. Heuer wurden bei mir nicht einmal halb so viele abgegeben wie im Vorjahr“, so Reisinger.

Seit 17 Jahren engagiert sich Gabriele Reisinger für Igel. Sie beobachtet Alarmierendes. Foto: SN / hörl

Wer jetzt noch einen Igel im Freien sieht, sollte helfen. Er wird es allein nicht über den Winter schaffen. Vielleicht wurde er durch Laubsauger oder Gartenarbeiten aufgeschreckt, vielleicht zu spät geboren. Igel unter 700 Gramm müssen gefüttert werden, sie finden jetzt kaum noch Futter. Bis Mitte November sollten alle im den Winterschlaf sein.

Dieses Jahr gibt es sehr viele unterernährte Igel, hat Reisinger beobachtet. Sie führt das auch auf das Insektensterben zurück, der Igel ernährt sich vorwiegend von diesen. Zudem wird sein Lebensraum immer knapper, zaunumgrenzte Gärten, picobello gepflegt, bieten ihm weder Platz noch Futter. „Geht es so weiter, haben wir in 15 Jahren keine Igel mehr“, befürchtet Reisinger. Er brauche die Gärten, „der Igel ist kein Waldtier“, stellt sie klar.

Wie viele Igel es in Salzburg gibt, und ob diese tatsächlich weniger werden, dazu fehlten die Daten, sagt Robert Lindner, Leiter der Wissenschaftlichen Sammlungen und des Biodiversitätszentrums am Haus der Natur: „Dass sich das Insektensterben auf die Igel auswirkt, ist aber ein logischer Schluss.“ In Salzburg gibt es zwei Igelarten: Weiß- (nur im Lungau) und Braunbrustigel.

„Wilde“ Ecken im Garten bieten dem Igel Zuflucht

Bei Reisinger werden auch Igel aus Bayern abgegeben, sogar aus Wien wollte man ihr welche bringen. Es gibt nämlich hierzulande nicht viele, die sich um Igel kümmern. Auf Internetforen kursiere zudem viel falsche Information, ärgert sich Reisinger.

Findet man einen Igel, auch ein Jungtier, darf man ihn im Unterschied zu Wildtieren anfassen und mitnehmen. Einmal verlassen, wird die Mutter nicht zurückkehren.

 

Wer jetzt Igel findet, sollte Folgendes tun:

  • In jedem Fall füttern.
  • Igel unter 600 Gramm ins Haus nehmen (Nächte sind zu kalt), und Experten anrufen.
  • Den Igel nicht in einen Laubhaufen setzen, er wird jetzt kein Nest mehr bauen, nass werden und sterben.
  • Auf keinen Fall Milch füttern, sie ist für Igel tödlich.
  • Als Futter eignet sich: Katzenfutter (Trockenes anfeuchten, es darf keinen Maiskleber enthalten), Wasser, gekochtes Ei, Rinderfaschiertes und Huhn (abgekocht), Banane, Avocado.

Wer Igel als künftige Gartenbewohner schätzt: Eine versteckte Ecke mit Sträuchern und Wiesenblumen schaffen. Keine Schädlingsbekämpfungsmittel verwenden. Igelnester bauen (Anleitung gibt die Igelhilfe).

Nähere Infos gibt die Igelhilfe, E-Mail: info@igelhilfe.net, Tel. 0664–111 56 42

Von Petra Suchanek