Grantlerblues Teil 1

Letztens hab ich mich mit meinen Münchner Freundinnen getroffen, und dabei fiel der Satz: „Ihr Österreicher seid’s echt immer so grantig. Außer zu Touristen, zu denen seid’s halbwegs nett.“

Da hab ich noch gelacht, aber als ich zum Heimfahren ins Auto gestiegen bin, lief auf Ö3 diese depperte Sendung, bei der das ganze Land seinen Senf zu einem Dilemma gibt – was ich mir normalerweise nie anhör, weil mir diese Dilemmata und die Meinung von irgendwelchen Leuten wurscht sind (und ist DAS nicht auch schon wieder typisch österreichisch?) –, und die Frage, die gestellt wurde, lautete: „Die Österreicher werden immer noch grantiger und unfreundlicher, stimmt das?“ Beim Voting kam (knapp, aber doch) heraus: Ja, das ist wahr. Die Anrufer hatten auch Erklärungen parat: Die sozialen Medien seien schuld, der hohe Leistungsdruck, die Ellbogengesellschaft, der Stress.

Karikatur: Thomas Selinger
www.seli.at

Ich kann nicht sagen, ob die Österreicher von 2017 grantiger sind als die von 1947, wobei Letztere mehr Grund für schlechte Laune gehabt hätten, und der österreichische Grant an sich erscheint mir auch nicht wie eine Erfindung der Neuzeit. Im Gegenteil: Wir sind ja berühmt für unsere Übellaunigkeit. Wir wurden in einer Studie unter Expats, also Menschen aus anderen Ländern, die zum Arbeiten nach Österreich gekommen sind, auf Platz zwei der unfreundlichsten Leute AUF DER WELT gewählt, nur in Kuwait ist es angeblich noch schrecklicher. Wir sind auch das zweitschlechteste Land, wenn es darum geht, wie gut man sich bei uns einleben kann. AUF DER WELT!

Besonders hart trifft es die Asiaten, die so gern nach Österreich strömen: Sie, die aus dem Land des Lächelns stammen, wo man hilfsbereit und zuvorkommend ist, können bei uns einen derart schlimmen Kulturschock erleiden, dass sie ins Krankenhaus müssen und sich monatelang nicht erholen. Kein Witz, sondern das Pariser Syndrom (das zum Glück nicht Wiener Syndrom heißt, aber wohl heißen könnte). Innerlich, das glaub ich fest, ist so ein Japaner sicher auch mal grantig. Genau wie ein Mexikaner, ein Italiener oder ein Hawaiianer. Bloß: Im Gegensatz zu uns hält er sich in der Öffentlichkeit zurück.

Der Österreicher kennt da nix und zeigt seinen Unwillen deutlich – besonders im Dienstleistungssektor. Ein Friseur, ein Verkäufer, ein Kellner muss hierzulande nicht freundlich sein. Das wird gar nicht erwartet, wir sind abgestumpft und duldsam und geben trotzdem Trinkgeld. Wenn wir angepflaumt werden, beeindruckt uns das nicht sehr – es macht uns halt nur ein bisserl grantig.

Mareike Fallwickl  arbeitet als freie Texterin und Lektorin