Tierschutzverein startet Projekt: Am Bauernhof können Kinder aus der Stadt Natur erleben.

Woher kommt die Milch im Supermarkt? Und wie kommt sie aus der Kuh ins Packerl? Fragen wie diese bekommen Kinder in Neubauers Stadtstall in Salzburg-Maxglan beantwortet.

Der kleine Milchviehbetrieb hat sich, neben Therapietieren, auf pädagogische Projekte spezialisiert. Seit September sind dort auch einmal pro Woche Kinder im Alter von eineinhalb bis sechs Jahren aus vier Betreuungseinrichtungen des Hilfswerks Salzburg zu Besuch. So auch Lukas, Shania und David von der „MAK KinderVilla“ in der Stadt Salzburg. Sie sind sichtlich begeistert, als sie zu Hängebauchschwein-Mama Klara und ihre Jungen in die Box dürfen. Anfangs noch zögerlich, streicht Davids Hand bald vorsichtig über das Borstentier.

Fühlt es sich stachelig an? „Nein, ganz weich“, sagt David und strahlt. Schweine kenne er aus dem Zoo, erzählt er, angefasst habe er bisher aber noch keines. Auch Shania hat vor der neugierigen Schweinedame keine Scheu. Obwohl: „Die Kaninchen gefallen mir besser. Vor allem die Babys“, sagt sie und lächelt übers ganze Gesicht.

„Wer als Kind mit Nutztieren in Berührung kommt, wird später bewusster konsumieren.“ Erich Goschler, jun., Österreichischer Tierschutzverein

Die meisten der Kinder kommen hier das erste Mal mit landwirtschaftlichen Nutztieren in Kontakt. Ermöglicht hat das der Österreichische Tierschutzverein mit Sitz in Salzburg, der das längerfristig geplante Projekt finanziert. „Wenn man im Kindesalter Empathie zu Tieren entwickelt, wird man später bewusster einkaufen – und vielleicht nicht zu Fleisch aus Massentierhaltung greifen“, ist Vereinspräsident Erich Goschler jun. überzeugt. „Sie lernen hier auch, was Tieren gefällt und was nicht. Dass Tiere Zeit, Geduld und manchmal auch Ruhe brauchen.“

Dass es da heute ein Manko gibt, bestätigt Hilfswerk-Pädagogin Georgina Ragginger, selbst Bäuerin in Hallwang: „Am Land ist es besser, aber in der Stadt fehlt den Kindern oft der Bezug zur Natur“, so Ragginger. „Ich finde es gerade in unserer Wegwerfgesellschaft wichtig, dass sie lernen, woher das Essen, die Milch kommt.“

Die Kinder dürfen hier nicht nur Tiere streicheln, sie lernen auch viel über die Lebensmittel-Produktion. Stadtstall-Mitarbeiterin Jasmin Erlbacher lässt sie am Traktor sitzen, erklärt die Melkmaschine. An einer Melkstation dürfen die Kinder selbst Hand anlegen.

Richtig rund geht es in der Küche, als jedes Kind ein zugeschraubtes Glas mit Schlagobers bekommt. Da wird im Kreis getanzt und geschüttelt, was die Hände hergeben. Vor den Augen der Kinder verwandelt sich das Schlagobers zu Butter. Die wird dann aufs Brot geschmiert und gegessen. Die Belohnung wird beim Lernen gleich mitserviert.

Von Petra Suchanek

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