Stefanie Sargnagel: „Ich sag halt gerne Oasch“

Eine Frau namens Sargnagel. Derb, schräg, spannend – und bald in Salzburg.

Autorin Stefanie Sargnagel ist talentiert und zutiefst eigenwillig. Ihr literarisches Werk besteht vorwiegend aus kurzen Einträgen auf Facebook. Scheinbar belanglose Beobachtungen hüllt sie mit Vorliebe in derbe Sprache („Hinter jeder erfolgreichen Frau stehen Männer, die ihr Vergewaltigungsdrohungen schicken, weil sie’s nicht packen.“)

Die Kunstfigur Stefanie Sargnagel wie auch ihre schreiberischen Ergüsse ließen faszinierende Rückschlüsse auf den Zustand der Gesellschaft zu, sagen ihre Fans. Am Montag, 16. Oktober (20 Uhr) liest die Wienerin in der Argekultur in Nonntal. Nach ihrem letzten Auftritt an selber Stelle sprach sie mit dem Salzburger Fenster.

Warum schreiben Sie? Wollen Sie verändern oder nur unterhalten?
Ich mache die Dinge nach Gespür und überlege mir kein Konzept. Aber ich möchte schon Leute zum Lachen bringen. Man kann durch Humor sehr leicht die Wahrheit sagen, ganz arge Sachen aussprechen, die man sonst nicht formulieren könnte. Das macht mir Spaß.

Derbe Sprache setzen Sie als Stilmittel ein. Warum?
Mir kommt’s gar nicht so derb vor. Ich mag halt Fäkalhumor, ich finde das einfach lustig. In Österreich gibt es auch eine große Tradition dazu. Es ist nicht so, dass ich unbedingt provozieren will, weil ich „Oasch“ sage oder „Tschuri“.

Für Frauen ist es schon noch eher untypisch, eine derart explizite Sprache zu verwenden. Werden Sie dafür angegriffen?
Ja, schon. Mir fällt auch auf, dass früher bei meinen Lesungen das Publikum sehr gemischt war und jetzt kommen mehr Frauen, weil ich in dieses Feminismuseck gedrängt werde.

Fühlen Sie sich als Feministin?
Ich würde schon sagen, ich bin feministisch. Es ist aber nicht das zentrale Thema meiner Kunst. Es geht eher um aufrichtiges Erzählen von Scheitern, worin sich viele Menschen wiederfinden. Ich finde Feminismus schon wichtig, aber ich halte Kunst für fad, die so explizit eine eindeutige politische Message hat.

Von Michael Minichberger

Foto: Powerline Agency

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