Filmkritik: „Borg/McEnroe“

„Borg/McEnroe“ erzählt von einem Wimbledon-Finale, das für viele als das legendärste in der Geschichte des Tennissports gilt – jenem von 1980.

Die Ingredienzen: Fünf Sätze, ein Tie-Break, der mehr als zwanzig Minuten dauert, zahllose vergebene Matchbälle und vor allem das Aufeinandertreffen zweier höchst gegensätzlicher Persönlichkeiten. Auf der einen Seite ist da der 24-jährige Weltranglistenerste Björn Borg, der zum fünften Mal in Folge das traditionsreiche Turnier gewinnen und damit Geschichte schreiben könnte. Doch der introvertierte, emotionslose Schwede hadert mit sich und seinem Leben und hat Angst zu scheitern. Sein Gegenüber ist der 20-jährige Amerikaner John McEnroe, ein ungehobelter Hitzkopf, der mit Vorliebe das Publikum gegen sich aufbringt und Schiedsrichterentscheidungen kritisiert.

Inszenierung:

Sieht man von der romantischen Komödie „Wimbledon“ (2004) einmal ab, so hat das Genre des Sportfilms bislang keine nennenswerten Tennisfilme hervorgebracht. Mit „Borg/McEnroe“ erinnert nun der dänische Regisseur Janus Metz („True Detective“) an einen Klassiker unter den zahlreichen Tennisduellen in der Geschichte dieses Sports. Ähnlich wie Ron Howards Formel 1-Film „Rush“ lebt auch „Borg/McEnroe“ von der Gegensätzlichkeit der Charaktere. Ein wenig küchenpsychologisch wird hierbei in Rückblenden die Jugend der beiden Spieler aufgerollt – den jungen Björn Borg spielt übrigens Borgs wirklicher Sohn Leo. Ansonsten konzentriert sich der Film gänzlich auf die Zeit rund um das Wimbledon-Turnier. Inszenatorisch neigt der Film ein wenig zur Mythisierung. Während ein opulenter Soundtrack den Kinogeher überwältigt, wird auf der erzählerischen Ebene der historische Moment zelebriert: „Alles, was sie getan haben, hat zu diesem Punkt geführt.“ Der Rest ist indes solide Unterhaltung mit starken Schauspielern.

 

Der bewegendste Moment:

Höhepunkt des Films ist die fast 15 Minuten lange Spielsequenz am Ende des Films. Wiewohl das Tennisspiel selbst dabei oft ein wenig amateurhaft wirkt, ist dieses Finale an Suspense kaum zu überbieten.
Fazit: „Borg/McEnroe“ beweist auf unterhaltsame Weise die Kinotauglichkeit von Tennis. (Ab 13. Oktober in den Kinos)

Von Helmut Hollerweger

Das vollständige Kinoprogramm finden Sie auf: www.salzburger-fenster.at