Die „Weinbauern“ von Itzling

In privaten Gärten im Norden der Stadt gedeihen Weintrauben.

Der Weinstock von Nikolas Sturm in Itzling an der Landsturmstraße will nicht mehr so recht. Anfangs freute sich die Familie über köstliche, süße weiße Trauben. Doch nun überzieht  ein Pilz die Beeren  mit einer schwarzen, mehligen Schicht. Der Schädling sitze schon in der Wurzel,  erklärte ein burgenländischer Winzer und Kunde   von Sturms Werbeagentur dem Hobbygärtner. Sein Rat:   Die chemische Keule oder weg damit. Mit biologischen Mittelchen, wie Sturms Lebenspartnerin Claudia dies vorschlug, komme man nicht weit, weiß der Weinbauer. Der 46-jährige Salzburger Sturm wird die Rebe nun wohl ausgraben – und an anderer Stelle eine neue setzen.

Siedler nutzen jedes Fleckchen Erde

Itzling, das einstige  „Glasscherbenviertel“ hinter dem Bahnhof,  erlebt das, was man „Gentrifizierung“ nennt. Früher ging man von dort weg, heute zieht man dorthin, weil neue Wohnungen aus alter Bausubstanz entstehen. Und die Siedler kultivieren jedes Fleckchen Erde.

An einem alten Eckhaus direkt an der Itzlinger Hauptstraße pflanzte eine rumänische Familie einen  Weinstock im winzigen Vorgarten, der eigentlich ein erhöhtes Betongeviert ist. Der sauber aufgebundene, robuste Rebstock aus der Heimat trug jedes Jahr mehrere Reihen gesunder Trauben. Heuer wurden Wohnungen im Haus verkauft. Über Nacht, kurz bevor die Sanierer kamen, hat jemand  die reifen Trauben gepflückt und mitgenommen.

Am Pfosten der Wäscheleine

Die Autorin dieser Geschichte kultiviert in Itzling eine rote Speisetraube vom Hofer. Der Stock wächst in einer südlichen Ecke des Gärtchens ganz prächtig.
Heuer hingen besonders süße, pralle Trauben  an den Zweigen. Der Hausbesitzer gegenüber bindet den Weinstock an den Eisenpfosten einer alten Wäscheleine hoch.

Wein von der Richterhöhe

Auf dem Mönchsberg gibt es seit einiger Zeit wieder eine echte Riede. Der Veltliner „Paris Lodron“ kostet 31 Euro die Flasche.  Salzburgs  Pfadfinder haben den  historischen Weingarten unterhalb der Richterhöhe wiederbelebt. Man rodete, radelte 700 Scheibtruhen Schotter und Erdreich weg, trug Dünger  aus Siggerwiesen auf, reicherte mit Natrium und Eisen an.  538 Weinstöcke stehen in Reih und Glied, ein Topwinzer aus der Wachau macht den Wein.
Pfadfinderpräsident Hans Georg Kepplinger: „Auch wir verwenden Chemie, es geht nicht anders.“ Selbst Bio-Winzer tun das. Denn dass alles „bio“ geht, das glauben nur die Bauern aus der Stadt.

Sonja Wenger

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