Glücksspiele: Zocken in der Besenkammer

Die bedrängte, illegale Glücksspielszene weicht aus – in Baucontainer, Tiefgaragen, Tankstellen, Wohnungen. Und betoniert Automaten inzwischen sogar ein.

Im Glücksspielgeschäft wird mit eisernem Besen gekehrt. Massive Kontrollen durch die Finanzbehörden haben die „metastasenartige“ Ausbreitung illegaler Automaten zurückgedrängt. Bundesweit seien noch 1500 bis 2000  Geräte von ursprünglich 10.000 übrig,  weiß man man bei Spieler-Info.at. Auch die Wiener Organisation bekämpft mit rechtlicher und finanzieller Unterstützung des Novomatic-Konzerns die nicht legale Konkurrenz.

Novomatic-nahe Organisation jagt Konkurrenz

Spieler-Info-Chef Gerhard Schmidt, laut eigener Aussage seit langem mit  Milliardär Johann  Graf befreundet, schickte sein Recherche-Team zuletzt  wieder nach Salzburg. Dort hat man rund 150 illegale Glücksspielautomaten entdeckt und Anzeige erstattet. Die Standorte sind das Bahnhofsviertel, Lehen, Straßwalchen, Hallein, St. Johann und Bischofshofen. „In drei Klingelbetrieben wurde uns der Zutritt verwehrt“, schildert Schmidt dem SF. „Sie müssen sich die Dimension vorstellen: Ein  Automat  spielt 7000 bis 10.000 Euro im Monat ein, das sind  bei 150 Automaten eine bis 1,5 Millionen Euro, steuerfrei.  Dort müsste die Polizei mit ihren strengen Männern von der Cobra hineingehen“, meint Schmidt.

Im Personalraum neben Autowaschstraße

Tatsächlich hat sich in der Szene ein harter Kern gebildet, der sich gegen die Razzien der Finanzpolizei, die Gerichtsverfahren und Geldstrafen stemmt. So seien an einer Tankstelle in Salzburg-Maxglan zwei  Zockautomaten im Personalraum versteckt, weiß  Roman Nesshold vom Institut Glücksspiel &  Abhängigkeit. „Den Zugang über die Trockenreinigung der Autowaschanlage kennen nur Eingeweihte.“

Tschetschenen als Wächter

In Oberösterreich werden Automaten „einbetoniert“, in Wien mit Reizgas „geladen“, das bei Razzien „zündet“. In Tirol entdeckte die Polizei Spielautomaten in einem Baucontainer einer Tiefgarage. Man weiche sogar in private Wohnungen aus, weiß Gerhard Schmidt. „Die Betreiber karren ihre Kunden mit Bussen an die geheimen Standorte und geben ihnen ein Guthaben, damit sie mitmachen.“ Es werde immer gefährlicher, meint Norbert Klein vom Recherche-Team Omnia. „Man stellt inzwischen Tschetschenen vor den Standorten auf, zehn Mann hoch. Die sagen, wer rein darf und wer nicht.“ Um die Behörden zu täuschen, würden die  Spieler  „in  Kammern geleitet und dort eingeschlossen“, ergänzt Schmidt: „Die können erst wieder raus, wenn der Mitarbeiter aufsperrt.“

Fünf, sechs Strippenzieher

Der Geldtransfer für die Macher erfolge an den Geldwechslern. „Dort kriegen die Spieler gegen Bargeld oder Kreditkarten die Codes zum Spielen. Ein technischer Mitarbeiter entleert diese Wechsler quasi stündlich.“ Fünf, sechs Österreicher seien die Strippenzieher. „Vor Ort haben sie meist arme Teufel, Geschäftsführer aller Nationalitäten. Denen gibt man  1000, 2000 Euro und verspricht alles Mögliche. Wenn es  zu Strafen kommt, schickt  man die Firmenkonstrukte in Konkurs. Bezahlen müssen die   Strohmänner“, so Schmidt.

Sonja Wenger