Täuschen, tarnen, schönen

Nicht nur Politiker wollen oder können sich kaum noch so geben, wie sie wirklich sind.

Im rundum tobenden Wahlkampf können einem selbst die Politiker manchmal leid tun.Wenn man merkt, wie sie sich vor laufender Kamera verstellen  (müssen), einstudierte  Stehsätze abspulen und nur ja  keine Emotion zeigen sollen, fragt man sich: Warum dürfen Politiker in der Öffentlichkeit nicht auch einmal  sagen, was sie wirklich denken – oder so sein, wie sie wirklich sind? Das Wettangebot sei hier ausgerufen: Es würde ihrer Popularität keineswegs  schaden, sondern sogar guttun. Weil sich die Menschen nach authentischen Politikern, die angreifbar wirken, längst sehnen. Umso unverständlicher ist es, warum die modernen Regeln der Kommunikation halt so sind, wie sie sind.

Aber die Frage, wo die Authentizität bleibt, reicht  längst  ins Alltagsleben von uns Normalbürgern. In wie vielen künstlichen Welten lebt jeder von uns? In denen er den anderen immer wieder etwas vorgaukelt. Denn  Menschen schönen längst nicht nur ihre Facebook- oder Instagram-Profile. Sie spielen auch im echten Leben den anderen einiges vor. Weil man halt glaubt, bestimmten Konventionen entsprechen zu müssen, besser dastehen zu wollen, sich keine Schwächen erlauben zu können …
Das geht so weit, dass sich Menschen mittlerweile nach Räumen sehnen (müssen), in denen sie so sein können,  wie sie wirklich sind. In denen sie über Ängste und Sorgen reden, auch vermeintlich Peinliches, Unangenehmes, Persönliches endlich  ansprechen können.  Wie gut, dass es noch  die Familie und echte Freunde gibt.

Die Salzburger Wissenschafterin Angelika Walser beschreibt in ihrem neuen Buch   speziell Freundschaften als (letzte) Zufluchtspunkte des Menschen zu sich selbst. Das ist schön – und traurig zugleich. Wer hat so vielen den Mut genommen, im  (Alltags-)Leben zu sich selbst zu stehen?

 

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