Filmkritik: „Porto“

In der portugiesischen Hafenstadt Porto treffen der junge Amerikaner Jake und die französische Studentin Mati aufeinander. Jake driftet planlos durchs Leben, liest gern und mag Musik. Mati ist ehrgeiziger….

….offensiver und betont, dass ihr ihre Freiheit wichtig sei. Zuerst begegnen sie sich auf einer archäologischen Ausgrabungsstätte, später nochmals im Café. Sie fragt ihn: „Hättest du Lust, mit mir irgendwohin zu gehen?“ Er schleppt für sie Bücherkartons vom Auto in die Wohnung. Sie bereitet inzwischen ein Bettlager vor. Mit Kerzen. Dann schlafen sie miteinander. Sehr leidenschaftlich. Die Szene dauert lange. Das ist mittlerweile ungewöhnlich im Kino. Dieser One-Night-Stand bildet gleichsam Höhe- und Ausgangspunkt der Erzählung. Um ihn kreisen in der Folge die Erinnerungen und Gedanken.

Inszenierung:

„Porto“ ist der erste Spielfilm des amerikanisch-brasilianischen Filmkritikers und Regisseurs Gabe Klinger – und es ist zugleich einer der letzten des Hauptdarstellers Anton Yelchin, der kurz danach mit nur 27 Jahren bei einem tragischen Autounfall starb. Klinger präsentiert die Liebesgeschichte aus wechselnden Perspektiven. Und er erzählt sie nicht chronologisch, sondern assoziativ mit Mut zur erzählerischen Leerstelle. Zeit erscheint in diesem Film eher als Erinnerung und Traum. Statt für Psychologie oder eine Handlung interessiert sich der Regisseur mehr für Atmosphäre. Und findet hierbei in den malerischen Ansichten von Porto gleichsam einen dritten Hauptdarsteller. Immer wieder wechselt der Film auch das Filmmaterial von 8 mm zu 16 mm und 35 mm, um die unterschiedlichen Erzählebenen auch visuell zu unterstreichen. Ansonsten weht durch diesen kurzen, von Jim Jarmusch produzierten Film stets ein wunderbarer Hauch von französischer Nouvelle Vague.

 

 

Der bewegendste Moment:

Es ist die Verbindung aus Poesie, Sinnlichkeit und Melancholie, die hier berührt. „Jede Lüge, die Liebende einander erzählen, wird früher oder später wahr“, zitiert die bezaubernde Lucie Lucas einmal Proust.

Fazit:

„Porto“ huldigt vor toller Kulisse, mit raffinierter Erzählstruktur und mit einem melancholischen Helden dem französischen Kino der 60er Jahre. (Ab 16. September in den Kinos)

Helmut Hollerweger

Das vollständige Kinoprogramm finden Sie auf: www.salzburger-fenster.at