Der beste Film spielt im Kopf

In einer Zeit, in der die Kinderstube voll digitalisiert ist, macht eine Salzburgerin Lust aufs Lesen.

Kinder würden sich heutzutage nicht mehr auf eine Sache konzentrieren können, heißt es immer wieder. Zu viele Reize, zu viel Wischen am Tablet, zu viele Computerspiele – so lautet der Vorwurf. Wenn Annemarie Zipperer aus einem Buch vorliest, merkt man davon gar nichts. Dann ruhen alle Kinderaugen gebannt auf ihr und den bunten Illustrationen. Zipperer ist bekannt als „Vorlese-Oma“ im Spielzeug Museum. Jeden zweiten Donnerstag-Nachmittag liest sie dort aus ausgewählten Büchern für Kinder zwischen drei und sechs Jahren. „Das ist die wichtigste Zeit für den Spracherwerb“, erklärt Zipperer: „In dieser Zeit entwickelt man die Freude an Büchern. Genau die will ich wecken.“

Vor allem will Zipperer Eltern und Großeltern zeigen, wie wichtig es ist, den Kindern von klein auf vorzulesen. Lesen sei die wichtigste Kulturtechnik, ist sie überzeugt: „Wenn ich lesen kann, kann ich mir alles lernen. Ich kann sein, wer ich will.“

Am liebsten liest Annemarie Zipperer aus dem Buch „Die Steinsuppe“ von Anaïs Vaugelade. „Darin geht es um Gemeinschaft und ums Beisammensein“, erklärt sie. Diese gemeinsamen Momente seien es auch, die das Vorlesen so besonders machen: „Es fördert die Beziehung zwischen Eltern und Kind, wenn man abends gemeinsam ein Buch liest“, ist sich Zipperer sicher.

Wichtig ist ihr auch, dass man gemeinsam über das Gelesene nachdenkt: „Wir müssen das sinnerfassende Lesen fördern. Nach jeder Geschichte spreche ich mit den Kindern darüber.“ Dabei werde deutlich, wie sehr das Zuhören die Fantasie der Kleinen weckt – im Gegenteil zu Spielfilmen oder Videospielen. „Manchmal sage ich zu den Kindern: Heute seid ihr die Regisseure. Stellt euch mal vor, die Prinzessin hat kein weißes, sondern ein rosarotes Kleid an“, erzählt sie.

In einer Zeit, in der Kinder vieles digital „vorgesetzt“ bekommen, komme die eigene Fantasie oft zu kurz, sagt Zipperer und erinnert sich: „Früher war es noch etwas Besonderes, wenn man in der Schule einen Film angeschaut hat. Heute genießen es die Kinder, wenn man ihnen ganz altmodisch etwas vorliest.“

Als ehemalige Volksschullehrerin muss es Annemarie Zipperer schließlich wissen. Den Draht zu den Kindern hat sie in der Pension nicht verloren. Seit zweieinhalb Jahren ist sie nun voller Freude als Vorlese-Oma aktiv – und das ehrenamtlich.

Von Katharina Maier

Foto: Spielzeug Museum / Eva trifft

Information

Salzburg Museum und Spielzeug Museum werden von zahlreichen Ehrenamtlichen unterstützt. Wer sich engagieren will, kann sich hier melden: museumsverein@salzburgmuseum.at.

 

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