Ärger über Weinpreise?

Es hilft eine Weinreise! Welchen (Neben)-Nutzen so ein Istrien-Urlaub haben kann.

Spektakulär war die Abkehr vom heimischen Wein. Roland Ballner, Eigentümer vom Cortisen in St. Wolfgang, gab auf seiner Homepage bekannt, in seinem Hotel nur mehr ausländische Weine anzubieten. Der entscheidende Grund sei „die zum Teil wenig gerechtfertigten Preiserhöhungen österreichischer Winzer“. Der Mann ist Trendsetter, hat vor zwölf Jahren sein Haus für Kinder gesperrt – monatelange Aufregung folgte. Heute gibt es Hotels nur für Erwachsene zu Hunderten. Wenn sein Beispiel beim Wein ebenso Schule macht, dann Prost Wachau und Burgenland!

Nun kann man saubere Grundweine wie Veltliner aus Kamptal oder Weinviertel immer noch lächerlich billig kaufen. Bauern liefern bis in die Stadt Salzburg um einen Preis ab vier Euro pro Flasche. Aber die Güter mit Namen haben ihre Bouteillen tatsächlich stark verteuert. Der Markt gibt’s her? Da dürfte etwas bröckeln. Ballner trinkt „kräftige Weiße lieber aus Istrien“. Der Vorkoster nutzt seinen Urlaub auf der kroatischen Halbinsel ebenfalls zum Weinkaufen.

Weingut Kozlović ganz im Norden. Man spricht zu Hause venezianisch, richtig Kroatisch lernen die Kinder in der Schule. Ein idyllisches Tal unterhalb der Burgruine von Momjan, dort hineingebaut eine sehr moderne Kellerei. Angeboten werden Führung und Picknick. Ein Glas Malvazija auf der Terrasse ist der perfekte Start in den Urlaub.

Der Name Kozlović glänzt in Istrien, er kommt auf jeder Weinkarte vor, 200.000 Flaschen Jahresproduktion. Malvazija ist die Hauptsorte, quasi deren Grüner Veltliner, bloß körperreicher als Österreichs Grundwein. Der Normal-Malvazija kostet 70 Kuna (9,50 €): vollmundig, durchaus elegant, lang anhaltender Geschmack – das Geld wert.

Nun machen alle guten Güter Istriens gerade einen Sprung: Malvazija aus besonderen Rieden, oft in Eiche ausgebaut, erreicht mehr Tiefe. Kozlović Spitzenlage ist kegelförmiger Berg, überzogen von Reben. Die Trauben ergeben einen ausgereiften und komplexeren, raffinierteren Weißen. Der bekommt den Namen der Riede (so machen das auch die anderen istrischen Winzer), sie heißt Santa Lucia, die Flasche kostet 120 Kuna (16,30 €). Die Klasse ist mit österreichischem Smaragd vergleichbar, doch die sind  teurer.

Giorgio Clai eröffnete heuer im April einen Verkaufsraum, man trifft jetzt verlässlich jemanden. Dort auf einem Hügel in Krasica südlich von Buje mit 240 Grad-Rundumblick mag man sich in der Südsteiermark wähnen, die Landschaft ist ähnlich schön. Auch hier ist ein Glas Wein ein wunderbarer Urlaubsstart.

Das Gut bietet dem Vorkoster Gelegenheit, ein Vorurteil zu überdenken. Clai macht nämlich Naturwein (es gab aus dieser Gruppe viel Seltsames zu probieren). Clai nennt seine Weine Ottocento – und wer je den Roten aus Refosco, Merlot und Cabernet Sauvignon ins Glas bekam, dem wird egal sein, wie er entstand: Frucht, Kraft, Finesse vom Feinsten. Der 2013er zeigte erst sechs Stunden nach der Flaschenöffnung seine ganze Klasse, die Weine sind lagerfähig. Der Rote kostet 174 Kuna (23,60 €): Es gibt ähnlich Gutes nicht um dieses Geld in Österreich.
Keinesfalls wird der Vorkoster auf heimischen Wein für seinen Keller verzichten. Warum auch: Ein frischer Veltliner am warmen Sommerabend ist etwas Wunderbares. Aber er macht nicht mehr jede Preissteigerung mit, er hat ja andere Quellen.

Kontakte:

www.kozlovic.hr
www.clai.hr

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