Salzburger Kult-Marken setzen auf Fairtrade

Gasteiner Keli und Confiserie Berger stützen die kleinen Zuckerbauern.

Mehr als 2,5 Millionen Flaschen Keli-Limonade gehen in Österreich jährlich über den Ladentisch. Eine Million davon sind 0,5-Liter-PET-Flaschen und die beinhalten ab jetzt Fairtrade-Zucker. Was bewegt die Traditionsmarke, die die Kult-Limo seit 1961 herstellt, zu diesem Umstieg? Grund sei das neue Fairtrade-Zuckerprogramm, erklärt Rudolf Mühlberger, Chef der ZF Getränke GmbH in Bad Gastein. „Damit können wir alle Produkte zertifizieren. Keli ist in Österreich die erste Limo, die das macht“, so Mühlberger.

Während Keli heuer die Mehrkosten von 1,5 Cent pro 0,5-Liter-Flasche noch übernimmt, will man ab 2018 einen Teil davon an die Konsumenten weitergeben. Höhere Preise würden die Käufer nicht abschrecken? „Wir sind überzeugt, dass auch der Endverbraucher bereit ist, dieses Programm zu unterstützen“, sagt Mühlberger.

Keli ist auch kein Einzelfall in Salzburg: Der landesweit bekannte Schoko-Hersteller Berger Confiserie hat voriges Jahr die Produktion auf Fairtrade umgestellt – und verarbeitet 100 Prozent Fairtrade-Zucker. Christine Berger: „Fairer Handel ist uns ein Anliegen. Wir wollen, dass die Erzeuger auch profitieren.“

Schoko-Spezialist Hubert Berger: „Was für die Produzenten tun.“

Erfreut registriert das Umdenken die Non-Profit-Organisation Fairtrade Österreich, die in Österreich das Fairtrade-Siegel vergibt. Natürlich gebe es auch in Österreich Zuckerhersteller. Doch die Zuckerrübenbauern hätten von den kleinen Zuckerrohrbauern, von denen der Fairtrade-Zucker stammt, kaum Konkurrenz zu fürchten. „Die wahre Konkurrenz der heimischen Zuckerbauern sind die brasilianischen Riesenzuckerplantagen“, betont Hartwig Kirner von Fairtrade Österreich. Die großen Zuckerfabrikanten versuchten, den Markt zu überschwemmen und die anderen Produzenten zu verdrängen. Zuckerbauernfamilien in Afrika, Asien und Lateinamerika hätten kaum eine Chance gegen die Zuckerriesen. Erschwerend komme hinzu, dass die EU heuer die Zuckerquoten aufgehoben habe. Kirner: „Daher gibt es jetzt zu viel Zucker am Markt und die Weltmarktpreise sinken.“

Für die Kleinbauern in Entwicklungsländern stelle Fairtrade-Zucker die einzige Zukunftsaussicht dar. Sie erhalten eine Prämie, mit der sie Geräte kaufen, Wasserversorgung schaffen, Schulen bauen und kleine Genossenschaften gründen. Kirner: „Indem sie sich zusammentun, können sie überleben“. Allein Salzburger Konsumenten sorgen übrigens schon für einen Fairtrade-Umsatz von 17 Millionen Euro im Jahr.

Der Zuckermarkt ist in der Hand der Großkonzerne

78 Prozent des global erzeugten Zuckers werden aus Zuckerrohr gewonnen. Doch die Bauernfamilien, die auf den Feldern arbeiten, leben großteils immer noch in Armut. Den Profit streichen die weltweit agierenden Zuckerriesen ein. Darauf weist Fairtrade Österreich hin.

100 Zuckerkooperativen in Asien, Afrika und Lateinamerika profitieren vom fairen Zuckeranbau. Informationen über Fairtrade-affine Gemeinden, Cafés und die verschiedenen Fairtrade-Siegel auf www.fairtrade.at.

Von Sabine Tschalyj