Verschleierungsverbot: Polizei will unauffällig bestrafen

Salzburgs Tourismus und Handel leben gut von den arabischen Urlaubern. Aber es ist eine delikate, schwierige Beziehung.

Die SalzburgerLand Tourismus Gesellschaft wird zurzeit von Medienanfragen aus ganz Europa bombardiert. Man fragt nach dem Verschleierungsverbot, das am 1. Oktober in Kraft tritt und die Branche seit Wochen in hellen Aufruhr versetzt. Es gibt Krisensitzungen, Abstimmungsgespräche mit der Österreich Werbung. Eine Anfrage aus dem Büro von Landeshauptmann Wilfried Haslauer löste hektische Recherchen im Schweizer Tessin aus: Dort gilt seit Juli 2016 ein Burkaverbot (in einer Bürgerabstimmung waren 64 Prozent dafür), das auch vollzogen wird. Und Salzburg?

Landespolizeisprecher Michael Rausch lässt keinen Zweifel daran, dass man die Verwaltungsübertretung exekutieren werde. „Wir haben das als Exekutive zu vollziehen, das ist unser Auftrag. Aber wir werden das so unspektakulär wie möglich machen. Wir wollen nicht eskalieren. Wie sich das dann konkret abspielt, ob das mit einem Organmandat oder mit einer Abmahnung geht, werden wir sehen“, meint Rausch. Vorab ist von einer Geldbuße von 150 Euro die Rede.

Bei den Behörden warte man noch auf die Vorgaben des Innenministeriums, erklärt Kurt Reiter, Chef der Sicherheitspolizei bei der Bezirkshauptmannschaft Zell am See. Heikel werde es jedenfalls sein, glaubt auch Reiter. „Es gibt in Zell hunderte verschleierte Frauen. Ein Organmandat könnte man vor Ort verhängen. Das dauert dann aber mindestens eine Stunde, weil es zu Diskussionen kommt, aus denen oft ein Auflauf wird, der sich auf die Polizeiinspektion verlagert“, beschreibt Reiter die mitunter schwierigen Amtshandlungen mit den Gästen aus Nahost. Man habe mit arabischen Touristen keine strafrechtlichen Probleme, so Reiter: „Aber im Verkehr gibt es viel disziplinloses Verhalten. Sie drehen mitten im Schmittentunnel um, ignorieren Sperrlinien, sie bleiben abrupt für ein Fotomotiv stehen und sie führen ihre Kinder oft ohne Kindersitz und nicht angegurtet mit.“ Wenn dies bestraft wird, entstehe „viel lautstarkes Unverständnis“. Dafür sind arabische Autofahrer nie alkoholisiert.

„Gesichtsschleier verboten“, heißt es ab 1. Oktober im ganzen Land. Fotos: Walter Schweinöster

Gutes Geld, fremde Sitten

Salzburgs Wirtschaft sind die Bürger aus den reichen Golfstaaten sehr willkommen. Zell am See ist deren österreichisches Mekka geworden, mit 385.000 Nächtigungen (plus 80 Prozent in fünf Jahren) sind die Araber bereits die zweitgrößte Gruppe nach den Deutschen. „Sellamsi“, wie die arabische Zunge sagt, wurde in Werbekampagnen übrigens mit dem Paradies verglichen, wie es im Koran beschrieben wird. Auch der Handel in der Stadt Salzburg, das man zum Shoppen besucht, liebt die konsumfreudigen Großfamilien. Im Outletcenter Wals gehören arabische Kunden mit den Chinesen zu den ausgabefreudigsten, weiß man in der SLT.

Die andere Seite ist der Kultur-Clash, der sich jedes Jahr abspielt. Einheimische fühlen sich im Sommer in Zell am See oft wie in einer orientalischen Stadt. Aber auch Gäste sind irritiert. Auf Booking.com, dem Facebook der Hotellerie, schrieb ein deutscher Urlauber folgendes: Er werde das Luxushotel am Zeller See nicht mehr buchen, denn: „Die Gäste sind teilweise Asylbewerber, welche sich nicht an die Hotelordnung halten, z.B. im Poolbereich mit Straßenbekleidung gehen.“ Eine Urlauberin störte: „In der Sauna wurde man durch arabische kleine Jungs gestört, die einen als Frau begaffen und kreischend durch die Gegend rennen.“ Ein anderes Phänomen sprach die Zeller Hotellerie bereits einmal in einer Benimm-Broschüre an (was schwer in die Hose ging): Arabische Familie essen zu Hause rund um einen Tisch auf dem Boden sitzend, die Nahrung wird mit Brot und der rechten Hand aufgenommen. Im Urlaub nimmt man die muslimisch-konformen Speisen aus dem Halal-Supermarkt ins Zimmer mit. Teppichböden und Matratzen seien oft „nach einer Saison hinüber“, klagen Vermieter unter der Hand.

Ebenfalls im Knigge stand: Abfall gehört in den Mistkübel. Das Ufer des idyllischen Hintersee bei Mittersill sei jedoch mit Plastik, Papier und Speiseabfällen zugemüllt. Gemeindearbeiter müssten den Picknick-Müll arabischer Familien zweimal in der Woche entsorgen, weiß der Unternehmensberater Franz Schenner (es gibt Fotos dazu). Kellner und Zimmermädchen fühlen sich mitunter von oben herab behandelt – die Touristen aus den Erdöl-Staaten am Golf sind es gewohnt, dass asiatische Bedienstete unliebsame Arbeiten verrichten.

SLT-Geschäftsführer Leo Bauernberger sagt, jeder sei in Salzburg willkommen: „Unseren Tourismus prägen Werte wie Gastfreundschaft, Respekt, Toleranz und Weltoffenheit. Das wollen wir all unseren Gästen ohne Vorbehalte entgegenbringen, egal welcher Nationalität sie angehören.“ Die Tourismusverbände würden die arabischen Gäste gezielt über das Verschleierungsverbot informieren. Man müsse abwarten, was komme. Konkreter will sich niemand zum Nikab-Verbot äußern.

Im Schweizer Tessin gehen die Araberinnen ohne Schleier

Der Schweizer Kanton Tessin ist der Gesichtsschleier seit 2016 untersagt. Was passierte? Es kamen sogar mehr arabische Urlauber als vorher, so die SLT. 1000 Franken Strafe kostet die Missachtung des Nikab-Verbots, wurden die Gäste vorab informiert. Selbst die saudische Botschaft twitterte an die „ehrenwerten Bürger“, sie sollten das neue Gesetz respektieren. Viele Frauen hatten schon bei der Ankunft nur mehr ein Kopftuch auf, freuten sich Tessins Hoteliere.

Von Sonja Wenger