Was Tobias Moretti mit Muhammad Ali gemeinsam hat

Krimpelstätter-Wirt Hannes Bachmann kennt Gott und die Welt: Wie die Stars bei ihm feiern, warum eines seiner Gerichte „Heiliger Tobias“ heißt und was er zu hohen Preisen in der Festspielzeit sagt.

Hannes Bachmann ist als Krimpelstätter-Wirt eine Institution in der Mozartstadt. Dabei wurde der Pinzgauer misstrauisch beäugt, als er in den 1990er-Jahren in die Stadt kam.

Herr Bachmann, alle reden über Tobias Moretti als Jedermann. Haben Sie ihn schon persönlich kennengelernt.
Ja, er ist oft da, weil er in der Nähe wohnt. Moretti mag den Wirbel nicht, sucht die Ruhe. Im Krimpelstätter sitzt er am liebsten mit Einheimischen am Stammtisch.

Was zeichnet ihn aus?
Er ist ein unglaublich netter Mensch, bodenständig und geerdet. Moretti ist ja auch ein Bergbauer und züchtet Bergzucchini. Da kamen wir mal ins Plaudern und auf die Idee, ein Gericht nach ihm zu benennen. Ich hatte nur eine Bedingung: Seine Zucchini mussten dabei sein. Die brachte dann seine Frau von Tirol mit, ich konnte sie aber leider nicht wie vereinbart abholen, weil mir was dazwischenkam. Da stand plötzlich am Abend vor dem Gastgarten ein Bentley (der ihm für ein Treffen mit Automobil-Chefs an diesem Abend bereitgestellt worden war, Anm.) und Tobias Moretti stieg aus, in der Hand die Zucchini. Sie können sich vorstellen, was da los war im Lokal.

Und was ist mit dem Moretti-Gericht?
Das gibt es diesen Sommer. Es heißt „Heiliger Tobias“, besteht aus seinen Bergzucchini, unseren Eierschwammerl, Roter Rübe und einem Honig-Dressing. Das alles in der Variante Fisch (Lachsforellenfilet) oder Fleisch (Filetspitzen). Nach der Generalprobe des Jedermann haben wir es seinen Freunden und seiner Familie erstmals präsentiert – und Moretti hat selbst serviert.

So geerdet sind wohl nicht alle Festspielstars.
Die richtig Großen schon. Jene, die es noch nicht sind, aber unbedingt werden wollen, sind schwieriger.

Wer hat noch Größe?
Peter Simonischek. Er ist sehr überlegt, freundlich und erzählt unglaublich viel aus seinem Leben. Und ich lausche sehr gern erfahreneren Menschen, weil man von ihnen viel lernen kann.

Plaudern Sie mal aus dem Nähkästchen. Wie heiß sind die Feten der Festspielstars?
Dass früher mehr gefeiert wurde, stimmt jedenfalls nicht (lacht). Aber es läuft diskreter, abseits der Presse. Manchmal geht es richtig ab. So wie man sich halt eine ordentliche Feier vorstellt.

Wer sind die Feierbiester im Festspieltross?
(lacht) Ein Wirt ist nur dann ein guter Wirt, wenn er Geheimnisse für sich behalten kann und nicht alles ausplaudert.

Aber über ihre Begegnung mit Boxlegende Muhammad Ali reden Sie schon . . .
Ja, das war 1982 in Miami. Ich fuhr mit meinem Bruder zur See – ich war im Service, Walter der Küchenchef. Eines Abends lernten wir einen deutschen Boxer kennen, der zu dieser Zeit mit Ali trainierte. Der nahm uns am nächsten Tag mit und plötzlich war er da: Im Anzug, gab uns allen die Hand – und trat nach dem Umziehen in den Ring. Wir machten Fotos und plötzlich sagte Ali zu mir spaßhalber. „What? You call me a nigger? Haha. That’s why i am bigger!“ (Was, du nennst mich Neger? Haha. Das ist der Grund, warum ich größer bin).

„You call me a nigger?“: Hannes Bachmann traf den legendären Box-Champion Ali 1982 in Miami. Bild: privat

Waren Sie frech?
Nein, gar nicht. Ich war überwältigt. Ali war ein toller Mensch, genauso bodenständig und souverän wie die großen Schauspieler, die ich in Salzburg kennenlernen durfte. Auch seine politische Lebensgeschichte fasziniert mich. Er hat sich ja gegen eine Nation gestellt, als er sich weigerte, einzurücken und in den Vietnam-Krieg zu ziehen.

Haltung zeigen, Position beziehen. Das findet man doch immer seltener, oder?
Ja. Auch die Handschlagqualität geht verloren. Das hängt damit zusammen, dass es von den Älteren an die Jungen immer weniger weitergegeben wird. Das ist total schade, weil Menschen, die Haltung zeigen, auch wenn es unangenehm sein kann, wirklich groß werden können. Menschlich wie beruflich. Auf solche Menschen kann man sich auch verlassen. Das ist toll und macht das Leben leichter.

Zurück zu den Festspielen: Das ist doch Stress pur für einen Wirt. Macht es trotzdem Spaß?
Total. Weil die Stadt so knistert, pulsiert. Salzburg ist in diesen zwei Monaten anders, großartig. Man geht durch die Stadt trifft Schauspieler, Persönlichkeiten. Alle sind gut drauf. Das steckt an.

Verändern die Festspiele auch das Gasthaus?
Ich habe auch im Sommer 80 Prozent Einheimische im Lokal. Aber natürlich kommen die Festspielgäste dazu.

Und vermutlich erhöhen Sie auch die Preise in den zwei Monaten?
Nein, meine Preise bleiben konstant übers Jahr. Ich will und kann nicht mit sechs Wochen das ganze Jahr bestreiten.

Festspielaufschläge in Gastronomie und Hotellerie sind aber keine Seltenheit.
Das gefällt mir nicht. Natürlich ist die Nachfrage da und viele sind bereit, mehr zu zahlen. Trotzdem sollte man den Zenit nicht ausreizen. Ich bleibe lieber reell und glaubwürdig.

Wie geht es einem waschechten Pinzgauer damit in der Stadt?
Ich bin seit 1992 hier – und wurde schon sehr skeptisch betrachtet, als wir als Bachmann-Buam im Pinterkeller angefangen haben. Da hat man uns nicht viel zugetraut. Natürlich holten wir uns manche Schramme, aber wir haben letztlich bewiesen, dass es die Pinzgauer in der Stadt können.

Geht es irgendwann zurück in den Pinzgau?
In drei Jahren bin ich 65 und pensionsreif. Dann bleibe ich der Bachmann Buam GmbH (das ist die Firma, mit der die Bachmann Brüder ihre Geschäfte betreiben, Anm.) nur noch beratend erhalten. Aber ich bleibe in der Stadt, weil ich ein schönes Haus in Morzg habe. Da bin ich auch in der Natur und habe trotzdem eine gute Infrastruktur rundum.

Von Hermann Fröschl

Fotos: Kolarik/Privat