Sheraton Salzburg: All you can eat in 16 Gängen

So bringt man Junge in ein Luxus-Restaurant.

„Sechzehn Gänge? Das schaffe ich nie“, maulte die Vorkosterin. „Da kannst du mit jemand anderem hingehen!“ Der Vorkoster versuchte Dampf abzulassen: „Kein Mensch zwingt dich zu viel zu essen. Da darfst aus 16 Gängen auswählen“ – leichte Entspannung. „Du kannst dir eine Suppe nehmen und dann alle vier Desserts hintereinander.“ Das erste Lächeln. „Und das Dessert, das am besten war, das bestellst du noch einmal“. Die Vorkosterin kam doch gerne mit.

Die Sache heißt „Friday experience“ (kurz „Frid-ex“), man macht die Erfahrung jeden Freitag von 18 bis 21.30 Uhr. Nicht nur bei uns, auch globus-umspannend im Sheraton von Prag bis Samoa und Dubai. Ob die Häuser die Rezepte austauschen? In Salzburg führt Manuela Moser die Küchenbrigade. Eine Frau als Chefin ist nicht nur österreichweit, sondern auch international die rare Ausnahme. Immerhin hat sie zuvor im Schloss Fuschl und im M32 gearbeitet und war Sous Chefin hier – das Management kannte also ihre Stärken.

Das Restaurant Mirabell füllte sich zügig mit jungen Leuten, Paare dabei und vor allem Gruppen. Neben uns eine Geburtstagsfeier, die war ja für die Einladende gut kalkulierbar: 35 Euro fürs Essen, ein Glas Sekt und Mineralwasser satt. Natürlich versteckt sich hinter „frid-ex“ ein all you can eat. 16 Gänge – und man kann jeden Gang auch mehrfach bestellen. Gerade die Jugend hat durchaus Hunger. Ob schon jemand die ganze Palette rauf und runter aß? „Aber ja“, sagte der Kellner.

Die Karte deutete die Gerichte nur an: drei Zutaten, es blieb Raum für Überraschungen. Der Spaß beim Bestellen: Wer ausgesucht hatte, schrieb die Nummer des Gangs auf einen Tip-on-Zettel und klebte ihn an einen Glasstab, beim zweien Mal wusste man dann auch, wie der dort hält. Jeder durfte mit Buntstiften die schwarze Papiertischdecke verzieren. Die Vorkosterin, der Kindskopf, malte natürlich Kindsköpfe. Und ja: solche Kleinigkeiten hoben die Stimmung ringsum.

Bei freier Auswahl – wo anfangen? Aus Gewohnheit bei Vorspeisen 1 und 2. Garnele / Papaya / Koriander erwies sich als asiatisch angemachter Salat mit festfleischigen Krustentieren. Austern / Kartoffel / Limette als paniertes Austernschnitzel mit Erdäpfelsalat plus Zitronenscheibe. Beides sehr gut. Tellerchen cross over. Kalb / Tunfisch / Kapern zeigte bestes Fleisch in zarter Fischsauce. Was komisch hieß: Käse / Käse / Käse war ein Höhepunkt: eine Suppe mit kräftigem Parmesan-Aroma und Käse-Cracker. Garnele / Basmati / Zuckerschoten: die Vorkosterin schnurrte. Nur die folgende Forelle wirkte nicht frisch und das Rind in Zwiebelsauce war leider trocken. Endlich Desserts: ein eher konventioneller Karottenkuchen folgte auf ein ebenso erwartbares Marillentörtchen. Schon besser: ein Eis in Orangensuppe. Der Höhepunkt, natürlich eine Art Mozartkugel am Stiel. Innen eine Dörrpflaume, drumherum Marzipan, getaucht in Schoko-Mandel, zu tauchen in Mascarpone. Die nahm die Vorkosterin noch einmal, der Vorkoster trank ein zweites Mal die Käsesuppe. Sie schaffte sieben Gänge und befand: „Frid-ex“ ist ein Mahl, das ihr behagt.

Ja, so bringt man junges Volk in ein Luxus-Restaurant: gute Gerichte und viel Spaß zu einem überschaubaren Preis.

Sheraton
Auerspergstraße 4
5020 Salzburg,
Tel. 0662/889990

Titelfoto: Sheraton

Der Vorkoster

Bild: Marco Riebler

Er testet Salzburgs Gastronomie – unabhängig und anonym. Exklusiv im „Fenster“.