Praktika ohne Ende: Aus dem Sommer einer Schülerin

Jetzt bin ich wieder einmal hier. Nicht am selben Ort, aber in derselben Situation. Zum vierten Mal, mitten im Sommer. Wenn in ganz Österreich alle sechs- bis 18-Jährigen in die Sommerferien starten, beginnt für viele Schüler die Zeit der Ferialjobs und Praktika.

Jedes Jahr von Neuem werden Bewerbungsschreiben für das kommende Jahr verfasst. Stundenlang sitzt man vor dem Bildschirm und überlegt, ob man im Lebenslauf den „Erste Hilfe Kurs“ oder den „Rettungsschwimmer“ vorreihen soll. Ist diese Entscheidung einmal getroffen, stellt sich die Frage nach dem passenden Bewerbungsfoto. Freundlich soll man aussehen, lieb, nett und doch nicht übertrieben.

Im Sommer arbeiten? Klar!

Und ja bitte keine Adjektive im Motivationsschreiben angeben, nur Arbeitserfahrungen und besondere Leistungen wollen notiert sein. Aus diesen soll man herauslesen, was man nicht schon Tolles geleistet und zu bieten hat. Schwierig aber, wenn man gerade erst 15 ist und noch nie gearbeitet hat. Da reicht’s dann oft erst zum Eisverkäufer oder zum Aktensortieren. Aber auch das sind Erfahrungen, die man nicht missen sollte.

Apropos Motivationsschreiben. Die Frage warum ich arbeiten will. Im Sommer, während meiner Ferien? Na eh klar, um Erfahrung zu sammeln und mir sicher zu werden, was ich später einmal machen will. Manche Unternehmen tönen aber: „Wir sind selbst im Sommermodus, wir brauchen keine Praktikanten.“ Dass sie auf diesem Weg die nächste Arbeitsgeneration von morgen frei Haus bekommen, ist vielen nicht klar, oder erst im Mai, wenn die letzten Unternehmen doch noch die letzten Praktikanten rekrutieren. Ist diese Hürde erst einmal geschafft und hat man einen fixen Praktikumsplatz, geht die Challenge mit dem ersten Arbeitstag los.

Am Bauernhof, in Frankreich

Ich selbst verbrachte mein erstes Praktikum auf einem Biobauernhof in den Salzburger Bergen. Wunderschön war’s, keine Frage. Liebend gerne koche ich Marmelade ein und melke Kühe. Klingt nach einem verklärten Bild, ist es aber nicht. Dazwischen putzte ich hundert Fenster und reinigte den Gästen zwanzig Mal die Ferienwohnung. Denn hinter den mit Geranien verzierten Balkonen, lauert viel „unsichtbare“ Arbeit. War mir immer schon bewusst, doch gesagt werden muss es mal.

Und bei der Zeitung

Dann rief das Ausland. 14 Wochen war ich in Frankreichs Gastronomie und Landwirtschaft tätig. Die Franzosen wider dem Klischee zuckersüß und überaus hilfsbereit. Gearbeitet wird auch hier viel, 50 bis 60 Stunden die normale Praktikanten-Arbeitswoche. „Österreichische Praktikanten sind nie müde“, wurde mir einmal gesagt. Siehe da, im Ausland gilt die Österreicherin als fleißiges, 24-Stunden-werkendes-Dirndl-tragendes-Arbeitswunder. Doch wer’s nie gemacht hat, kann nicht mitreden.

Ganz anders und nicht vergleichbar ist ein Praktikum bei einem Zeitungsverlag. Die Unternehmensstruktur im Vergleich zu einem Bauernhof scheint wie Tausendundeine Nacht. Aus drei Mitarbeitern werden 300. Fast jede Seite wird von einem eigenem „Coach“ betreut. Ich selbst hatte das große Vergnügen, einen erfahrenen Medienberater auf der Jagd nach Einschaltungen zu begleiten. Auch in der Redaktion rauchen die Köpfe. Im berüchtigten Sommerloch stehen die Journalisten vor noch größeren Herausforderungen.

Ob im Krankenhaus, am Bau, im Büro oder am Fließband – die Aufgaben schwanken genauso wie die Bezahlung. Von 50 Euro in der Woche bis zu 1200 Euro im Monat ist alles dabei. Aber das ist nur eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist, dass man viel erlebt, sieht und lernt. Man trifft auf liebenswürdige, hilfsbereite und engagierte Leute, auf neue Aufgaben und erweitert nebenbei seinen Horizont. Im besten Fall wird aus einem ehemaligen Praktikanten ein Vorzeigemitarbeiter im Unternehmen.

Viktoria Schweiger absolvierte beim Salzburger Fenster ein einmonatiges Praktikum. 

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