Frauenfußball: Der Hype vergeht, der Spaß bleibt

Wie Salzburgs Kickerinnen die EM erlebten.

Wenn Sarah Zadrazil bei den EM-Übertragungen über den Bildschirm stürmte, dann war das für die Mädels vom FC Bergheim ein besonderes Erlebnis. „Die Zadi hat früher bei uns gespielt“, erzählen sie stolz. Dass das ÖFB-Team bei der Frauenfußball-EM in den Niederlanden derart auftrumpfen konnte, überraschte sie nicht. „Sie haben riesiges Potenzial und eine tolle Gemeinschaft. Jetzt konnten sie das allen beweisen.“ Beweisen, das müssen sich Frauen in der Männerdomäne Fußball nach wie vor. Durchforstet man die sozialen Medien, so finden sich neben begeisterten EM-Kommentaren auch hämische Postings zum Frauenfußball.

Völlig zu Unrecht, wie Trainer Josef „Sepp“ Bauer weiß. Früher trainierte er Männermannschaften, heute schätzt er den Einsatz seiner Kickerinnen vom FC Bergheim: „Frauen sind viel besser zu trainieren. Sie spielen Fußball noch mit Leidenschaft, Herz und Seele. Sie verdienen ja nichts.“ Bei den männlichen Spielern sind ihm öfter welche begegnet, deren erste Frage die nach dem Geld war. „Das kannst du vergessen.“

Trainer: „Frauen spielen Fußball mit Herz und Seele“

Mit Bauer schnellten die Leistungen in die Höhe, sagt Spielerin Anna Hengstl. Die heute 25-Jährige war vor neun Jahren mit dabei, als der Frauenfußball in Bergheim Einzug hielt. Man habe heute keine Nachwuchsprobleme, die Spielerinnen kämen oft von weit her, erzählt sie. Der FC Bergheim stellt sogar zwei Frauenmannschaften. Eine spielt in der Bundesliga, die andere wurde dieses Jahr Meister in der Salzburger Frauenliga und wird in die zweite Liga aufsteigen.

Nur knapp ein Zehntel der in Meisterschaften aktiven Mannschaften aus Salzburg sind Frauenteams. Wie kommen Frauen denn aufs Kicken? Anna Hengstl ist erst mit 16 über eine Freundin zum Fußball gestoßen, erzählt sie. Kollegin Maaike Rheinfrank (17) aus Henndorf lieferte sich schon als Kind „harte Kämpfe“ mit ihrem Bruder. Und Magdalena Bachler (17) aus Bramberg wurde der Fußball in die Wiege gelegt, ihr Vater ist Trainer. Sie besucht das Nationale Zentrum für Frauenfußball in St. Pölten, aus dem viele der ÖFB-Spielerinnen hervorgegangen sind. Siegen und aufsteigen, das wollen die drei Kickerinnen vom FC Bergheim, wichtig ist ihnen aber vor allem der Team-Zusammenhalt.

Den durch die EM ausgelösten Hype sehen sie positiv, so konnten sich viele ein Bild vom Frauenfußball machen. Dass das Medieninteresse auch an ihnen wieder abklingen wird, ist den Mädels klar. Worauf sie hoffen, ist ein Sponsor. Damit der Frauenfußball weiter Fahrt aufnehmen kann, braucht es in Bergheim keine hochbezahlten Spielerinnen, sondern schlicht Kleinbusse.

Von Petra Suchanek

Titelbild: Teamgeist und der Spaß am Spiel sind ihnen besonders wichtig. (v. li.): Maaike Rheinfrank (mit Ball),   Madgalena Bachler und Anna Hengstl vom  FC Bergheim.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.