Filmkritik: „Monsieur Pierre geht online“

Pierre ist ein schlecht gelaunter Witwer, der sich seit dem Tod seiner Frau in seiner Pariser Wohnung verbarrikadiert. Um ihn aus seiner Einsamkeit herauszuholen, engagiert Tochter Sylvie Alex: Der neue Freund ihrer Tochter, ein erfolgloser Schriftsteller, soll den Alten mit dem Internet vertraut machen. „Teletext kennt er noch, ansonsten fangen wir bei Null an“, kommentiert Alex das schwierige Unterfangen. Doch als Pierre in der Folge auf einem Dating-Portal über das Profil der 31-jährigen Physiotherapeutin Flora stolpert, besinnt er sich wieder seiner Verführungskünste und beginnt gekonnt eine romantische Online-Korrespondenz.

Dabei täuscht er mit dem Profilbild von Alex eine falsche Identität vor. Als die Umworbene schließlich ein Treffen vorschlägt, soll Alex an seiner Stelle erscheinen.

Inszenierung:

„Ich mag es, für ältere Menschen Geschichten zu erzählen“, meint Regisseur Stéphane Robelin. Und rückt nach seiner sympathischen Rentner-WG-Komödie „Und wenn wir alle zusammenziehen?“ erneut einen Silver Ager in den Mittelpunkt. Die französische Komödianten-Ikone Pierre Richard („Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“), die bereits in „Wenn wir alle zusammenziehen?“ ein Comeback feierte, mimt in „Monsieur Pierre geht online“ quasi einen Cyrano de Bergerac des Internet-Zeitalters. Seine Augen sind noch immer blau, sein Blick spitzbübisch, seine Handlungen charmant-arglos. Nur die einst blonden Haare sind jetzt weiß. Und statt Slapstick wird altersbedingt mehr der Situationskomik gefrönt. Ansonsten wird in dieser romantischen Komödie vergnüglich verwechselt, bis am Ende die bürgerliche Liebesordnung wiederhergestellt ist.

Botschaft:

Der Film zelebriert die Versöhnung zwischen den Generationen. Die Jungen sind keine „Generation von öden Warmduschern“ (Pierre) und die Alten nicht notgedrungen zu alt für alles. „Das Alter“, meinte der kürzlich verstorbene Claude Rich einmal, „existiert eigentlich nur in Bezug zu den Gebrechen.“

Der bewegendste Moment:

Das Frühstück, bei dem sämtliche Figuren unfreiwillig zusammentreffen, markiert den vergnüglichen Höhepunkt der Verwechslungen.

 

Fazit:

„Monsieur Pierre geht online“ bietet leichtfüßig-sommerliche Kinounterhaltung. (Ab 11. August in den Kinos)

Helmut Hollerweger
Das vollständige Kinoprogramm finden Sie hier.

Foto: Filmladen

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