Wie Chefs ihre Mitarbeiter verwöhnen

Der Fachkräftemangel wird ärger: Das macht manche Betriebe richtig großzügig, um gute Mitarbeiter zu finden.

Müde Mitarbeiter legen sich bei der Firma G.A. Service bei der Panzerhalle in Maxglan in die Schwebeliege. Sanftes Schwingen lässt sie prompt einschlafen. Nach 25 Minuten stoppt es.  „Dann hast du wieder volle Energie“, sagt Firmenchef Helmut Gruber (am Titelbild). Spannt der Nacken, lassen sich G.A.S-Mitarbeiter im Beautyraum des Unternehmen massieren. Zum Geburtstag gibt es die Gutscheine, wie auch für Gesichtbehandlungen und Pediküre.

G.A.S.: BMW und Masseur im Lohn inklusive

Wellness in der Arbeitszeit? „Dann muss man nirgends hingehen“, sagt Gruber, der selbst gern eine Massagestunde in die Arbeit einbaut.  Zum Wohlfühlpaket gehört auch, dass die Mitarbeiter im Firmenlokal gratis essen und trinken, im Firmenkino Championsleague schauen und Kinder im Firmenkindergarten – auch zur Sommerbetreuung –  umsorgt werden. Damit alle mobil sind, stellt man dem Gros der 60 Mitarbeiter  Dienstautos zur Verfügung: 40 davon sind BMW und Audi.

Was der Extraaufwand („Die Mitarbeiter bekommen wohl ein Viertel mehr“)  der Firma bringt, darüber muss Gruber nicht lange nachdenken: „Gute Leute! Die erfüllen unseren Kunden alle Wünsche.“ Das erwartet er von seinen Mitarbeitern. Sie sollen erst gehen, wenn die Kunden zufrieden sind. Das Büro ist von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Die Strategie geht auf: Schon für 1000 Kunden (vor allem aus dem Tourismus) erstellt die 2006 gegründete Firma heute Logos, Texte, Produktdesign. Jahresumsatz 15 Millionen Euro.

Werben um IT-Kräfte: conova gründet Lehrgang

Es geht aber  nicht nur um Sozialleistungen und Annehmlichkeiten für die Mitarbeiter. Betriebe organisieren zusehends in Eigenregie Ausbildungen, um sich den künftigen Nachwuchs selbst heranzubilden. Ein Beispiel: der IT-Dienstleister conova in der Karolingerstraße in Maxglan. Geschäftsführer Gerhard Haider:    „Der IT-Standort Salzburg ist an sich  sehr ansprechend. Es gelingt  derzeit aber nicht, qualifizierte Mitarbeiter in dem Maß zu rekrutieren, wie es die Kunden und Projekte erfordern würden.“

Conova-Chef Haider initiierte eigenen FH-Lehrgang, der IT-Spezialisten formen soll und Interessenten mit einigen finanziellen Anreizen lockt. (Bild: conova/Riebler)

Conova sucht laufend Personal, derzeit bräuchte man akut vier Spezialisten. Auch deshalb hat das Unternehmen mit Spar IT und Porsche Informatik  einen in Österreich  einmaligen Lehrgang (ITSalzburg//study.work.support) an der Fachhochschule angestoßen.  Studierende erhalten die ÖH- und Studiengebühren (363  Euro pro Semester), einen  Wohnkostenzuschuss (120 Euro pro  Monat) und einen fixen Teilzeitarbeitsplatz bei einem IT-Unternehmen. Das Gehalt für elf Stunden pro Woche von  680 Euro brutto  pro Monat entspreche   2380 Euro brutto bei Vollzeitanstellung. 20 junge Leute  haben sich das Rundum-Wohlfühlpaket bereits geschnappt.

Eurofunk  ist Salzburgs Unternehmen des Jahres

Ein schillerndes Beispiel findet man im Pongauer  St. Johann. Dort ist eurofunk Kappacher im Höhenflug und setzt auch stark auf Kooperationen mit Fachhochschulen, Unis und HTLs.  Heuer werden noch 40 neue Mitarbeiter benötigt – zu den knapp 400 am Standort St. Johann.

Eurofunk ist auf Leitstellen für Einsatzorganisationen und Großbetriebe wie Flughäfen spezialisiert,  steckt Millionen in die Forschung und Mitarbeiterpflege. Nicht zufällig ist eurofunk Salzburgs Unternehmen des Jahres. Im Vorjahr entstand ein hochmodernes Entwicklungszentrum. Die Sozialleistungen reichen von Fitnesscenter über Kantine und Ruheräumen (Powernap-Kabinen)  zu Familienfesten. Über einen Betriebskindergarten wird noch heuer entschieden.

So holt man sich Fachkräfte

„Wir wollen, dass sich die Mitarbeiter wohl fühlen“, sagt Bereichsmanager Jürgen Kappacher. Die hohe Zufriedenheit, die daraus erwächst, hilft auch  wirtschaftlich: „Wir könnten nicht so schnell wachsen, wenn unsere Mitarbeiter nicht so treu wären.“ Die Fluktuation liegt unter fünf Prozent.  Was de facto heißt: Wer einmal bei eurofunk arbeitet, geht freiwillig nicht mehr weg.   Da lässt sich das Thema Fachkräftemangel  entspannter angehen.

Sonja Wenger und Sabine Tschalyj