Wie viele Touristen verträgt die Stadt?

Keineswegs alle profitieren von den sieben Millionen Touristen, die jährlich Salzburg besuchen. Die Politik sollte sich damit beschäftigen.

Salzburg ist ein touristischer Kracher.  In absehbarer Zeit wird man eine Milliarde Euro Umsatz  machen.  Touristen und Festspielgäste    bringen  Leben und Flair in die Stadt.  Das ist    grundsätzlich sehr erfreulich.
Aber die Erfolgsgeschichte hat auch Schattenseiten.    Mehr als sieben Millionen Menschen laufen jedes Jahr durch die engen Gassen. Und keineswegs alle profitieren von ihnen.  Die Anwaltskanzleien, die Arztpraxen,  die Handwerker und die (letzten) Bewohner der Altstadt  nehmen die Begleiterscheinungen des Massentourismus  still hin – oder wandern ab.
Barcelona hat 30 Millionen Touristen im Jahr. Dort ist die Stimmung  völlig gekippt. Die Einheimischen leiden unter teuren Mieten und steigenden Immobilienpreisen, aus Altstadt-Fenstern hängen  Transparente wie  „Tourist, go home“. In Venedig  kämpfen Bürger  gegen die Touristen-Invasion und die  übergroßen Kreuzfahrtschiffe, die sich  wie unwirklich in die Lagune schieben und die Pfahlfundamente der Häuser erschüttern.
Die  Botschaft ist:  Man kann am eigenen Erfolg zugrunde gehen.
In Salzburg hat man die  Dinge bisher sich selbst  überlassen. Es gibt bis heute kein funktionierendes Busregime, die Gruppen, die auf der Ameisenstraße vom Mirabellplatz in die Altstadt eilen, sind recht robust unterwegs. Man werde an die Wand gedrückt, klagen Einheimische. Nackte Oberkörper und Männerbäuche, quellende Busen  in Kirchen,  Schlapfen an den Füßen oder schwarz verhüllte  Araberinnen sind optische Irritationen, über die man reden darf. Schlicht grausig sind manche Exzesse junger Bayern, die zum Poltern nach Salzburg kommen, weil München sie vertrieben hat. Da lässt man vor Mozarts Geburtshaus schon mal die Hose runter, damit  die Freunde sich auf dem   Hintern verewigen.
Bürgermeister Heinz Schaden will  nun   ein Fahrverbot für die Altstadt. Für viele ist das ein Schock.  Essenziell notwendig ist aber,  dass die Politik sich mit  dem Wesentlichen beschäftigt.

Von Sonja Wenger

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