Tragisches Talent

SF-Filmkritiker Helmut Hollerweger über „Whitney – can i be me“, der ab 15. Juli in unseren Kinos läuft.

Handlung: „Wie möchten Sie in Erinnerung bleiben?“, wurde Whitney Houston auf dem Höhepunkt ihrer Karriere gefragt. Ihre Antwort: „Wahrscheinlich ist das egal, die erinnern sich sowieso, an was sie wollen!“ Fünf Jahre nach Houstons Tod mit nur 48 Jahren in einem Hotel in Los Angeles gedenkt die Doku „Whitney – Can I Be Me“ nun weniger dem gesanglichen Ausnahmetalent dieses Superstars, sondern sucht nach Gründen für seinen Absturz. Und bietet hierbei die unterschiedlichsten Erklärungen an: exzessiver Drogenkonsum, schwierige Elternbeziehung, eine gnadenlose Musikindustrie, die aus einer Afroamerikanerin aus dem Ghetto eine Pop-Prinzessin für das weiße Amerika formt, die Ehe mit dem Musiker Bobby Brown (samt Scheidung) und – für viele wohl eine Enthüllung – die heimliche lesbische Beziehung zu ihrer Jugendfreundin und Managerin Robyn Crawford.

Inszenierung: Mit „Whitney – Can I Be Me“ präsentieren der englische Dokumentarfilmer Nick Broomfield und der österreichische Musikvideo-Regisseur Rudi Dolezal eine zwar bisweilen spekulative, jedoch weithin spannende Doku über die tragische Sängerin. Interviews mit Personen aus ihrem privaten und beruflichen Umfeld zeichnen das Bild einer zerrissenen und zunehmend selbstzerstörerischen Frau. Ein Großteil des gezeigten Filmmaterials ist hier erstmals zu sehen. Oft sieht man hierbei den Superstar hinter den Kulissen, einmal imitiert sie verspielt mit Bobby Brown Ike & Tina Turner. Indem die Doku von Whitney Houstons Erben nicht autorisiert wurde, ist die Perspektive auf die Künstlerin und ihr Umfeld bisweilen überraschend kritisch.

Botschaft: Eine Doku über tragische Helden hat stets etwas Doppelbödiges. Zum einen wird der Lust am Skandal gefrönt, zum anderen moralisch vor dem Exzess gewarnt.

Der bewegendste Moment: 1989, auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, wird Whitney Houston bei den Soul Train-Awards vom schwarzen Publikum ausgebuht. „Letztlich war ich ihnen einfach nicht schwarz genug“, bekennt Houston später.
Fazit: „Whitney – Can I Be Me“ ist eine sehenswerte Doku, welche die Hintergründe der tragischen Biografie von Whitney Houston beleuchtet.  (Ab 15. Juli in den Kinos)