Ein fauler gefräßiger Start in den Tag

Was macht glücklich am Frühstück? Ist es die Qualität der gereichten Lebensmittel, der cremige Kaffee, die perfekte Marmelade? Oder mehr der Ort: Der herzöffnende Blick über die Schönheit der Stadt?

Zwei gegensätzliche Adressen, die beide von der Falstaff-Leserschaft zu den zehn besten Morgenmahlzeiten österreichweit gewählt wurden, wollen wir heute unter die Lupe nehmen.

Das Genussprojekt in Salzburg-Liefering zeigt die Atmosphäre einer lässigen Bar. Wir saßen bei Sonne draußen, optisch abgeschirmt durch einen Lamellenzaun, der die Münchner Bundesstraße nicht daran hinderte, ihren Lärm zu schicken: italienisch-lebhaft. Es gibt zwei umfangreiche Frühstücks-Angebote (€ 13,90 bis 14,90), wobei schon vor dem Bestellen die Tauscherei losging: Gib mir deinen Prosecco, kriegst meinen frisch gepressten Obstsaft, dein weiches Ei gegen mein Rührei. Zuerst kamen die Getränke: tadelloser Verlängerter und ein Kännchen Tee, das genügend Teeblätter im Sackerl hatte samt einer eigenen Tee-Schale. Seltener Luxus.

So nach einer Viertelstunde erschienen auch die Teller: optisch appetitmachend, die Eier genau so, wie sie sein sollten, geschmeidig der Rohschinken, aromatisch statt allzu salzig, saftig der Kochschinken, dünnst aufgeschnitten der Emmentaler, weich und würzig der Camembert. Der Obstsalat frisch geschnitten, das Müsli (extra um € 4,80) schön durchzogen und fruchtig durch Cranberries, Semmel und Salzstangerl knusprig, das Schwarzbrot leicht angetoastet. Tatsächlich: Wir erlebten den seltenen Fall, dass jede Zutat von bemerkenswerter Qualität war.

Es hört der Vorkoster öfter Beschwerden, man bekomme keinen Platz auf der Terrasse des M32 auf dem Mönchsberg. Nun, wir saßen um neun Uhr am Morgen recht allein in der ersten Reihe mit Blick auf das verschlafene Salzburg. Größte Aufregung dort unten war ein Obus, der auf der Staatsbrücke stehen blieb. Man konnte ganz gemütlich dem Stau beim Wachsen zuschauen.

Es gibt zwei große Angebote hier: Vital-Frühstück (€ 14,90) und Berg-Frühstück (€ 17,50). Wobei es beim Kaffee nicht bei einer Tasse blieb, es wurde nachgeschenkt. Warnung in der Speisekarte: Ein Tausch zwischen den Modellen sei nicht möglich – so mixt man halt am Tisch. Zum Beispiel den Karottensaft gegen frisch gepressten Orangensaft. Vital erfreute ein Porridge, das gut durchzogen war und leicht süß durch Preiselbeeren. Eine halbe Grapefruit zum Auslöffeln, ein Karotten-Nuss-Kuchen, Gemüsesticks, zu dippen in exzellenten Frischkäse vom Schaf.

Berg brachte dreierlei Schinken, roh, gekocht und vom Hirsch, drei Mal erfreuliche Qualität. Ein geräuchertes Forellenfilet war mit gesüßtem Kren beflockt, Liptauer zeigte Biss. Und als wir seufzend aufgegessen hatten, setzte sich auch der Obus wieder in Bewegung.

Was macht nun glücklich: gutes Essen, schöne Aussicht? Das auch. Aber wahres Glück entsteht durch den Bruch der Routine. Das Frühstück auswärts als fauler, gefräßiger Start in den Tag.

Genussprojekt, Forellenweg 3, Salzburg, Tel. 0664/5439534, www.genussprojekt.at
M32, Mönchsberg 32,  Tel. 0662/841000, www.m32.at

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