Alternative zum Auto: Salzburger gründet Tretroller-Gruppe

Vielen sind sie nostalgische Kindheitserinnerung, für Jurek Milewski aber sind Tretroller die Zukunft. Er möchte noch mehr Salzburger dafür begeistern, denn: Es muss nicht immer das Auto sein, ist er überzeugt.

Tretroller geben Jurek Milewski den etwas anderen Kick. Jetzt mag man lächeln. So ging es Milewski anfangs auch: „Als mir ein Freund von Tretrollern für Erwachsene erzählte, dachte ich, so ein Schmarrn, das kann man nicht ernst nehmen.“ Heute, vier Jahre später, ist der 59-Jährige Feuer und Flamme, er weiß: Roller sind richtige Flitzer. 85 km/h ist er damit schon den Berg runtergesaust – und schneller.

Der gebürtige Pole und einstige Radrennsportler, der seit 28 Jahren in Salzburg lebt und als Schauspieler arbeitet, hat mit seinem Tretroller, auch Kickbike genannt, schon viele Preise eingefahren. Die größte Konkurrenz kommt aus Nord- und Osteuropa, wo das Kickbike schon viel populärer ist als hierzulande.

Kickt sich locker am Stau vorbei: Jurek Milewski mit Rennroller.
Foto: Suchanek

Bei der EM diesen August am Salzburgring hat er zwei Medaillen zu verteidigen – im Sprint und im Marathon. Milewski ist auch österreichischer Meister und Rekordhalter, bewältigte mit dem Tretroller die 250 Kilometer lange Strecke Paris-Roubaix, die mit 52 Kilometern Kopfsteinpflaster bei Radprofis als härtestes Eintagesrennen der Welt gilt, durchquerte Zypern von West nach Ost und Österreich von Süd nach Nord und kickte sich durch zwei Etappen des Giro d’Italia.

In der Innenstadt ist man mit Tretroller schneller als mit Fahrrad

So ein Roller eignet sich auch für den Alltag, weiß Milewski. Weil man leichter an Menschenmengen vorbeikommt, ist man in der Innenstadt schneller als mit dem Rad. Gesund ist das Kicken auch: „Im Unterschied zum Radfahren beginnen weder Nacken noch Kreuz zu schmerzen. Für Männer ist es sowieso besser, weil es keinen Sattel gibt.“ Auch Skistars kicken während der Rehabilitation. Und: Ein Tretroller koste ein Drittel eines Rennrades.

„Im Unterschied zum Radfahren schmerzen beim Tretroller-Fahren weder Nacken noch Kreuz.“ Jurek Milewski

Um mehr Leute für die Vorzüge des Gefährts zu begeistern, gründete Milewski vor zwei Monaten die Gruppe „Tretrollerfahrer Salzburg“ (siehe Facebook). Denn: „Alles, was den Autoverkehr reduziert, ist gut.“ Er selbst besitzt zwar ein Auto, nutzt es aber kaum. Will er jemanden abholen, rückt er mit Lastenrad aus. Ansonsten kickt er sich munter durchs Leben, rund 6000 Kilometer schafft er im Jahr.

Ein Kickbike hat keine Gänge, der Fahrer gleicht das mit verschiedenen Kicktechniken aus. Milewski fährt den Gaisberg – seinen Trainingsberg – durch, ohne abzusteigen.

Neben der EM birgt der Sommer für ihn noch eine Herausforderung. Milewski tritt beim „Volxommer“-Theaterfestival in Leogang auf und wird mit Tretroller anreisen. Beim Hirschbichlpass wird er wohl passen müssen, 30 Prozent Steigung sind gar viel. Seine Vorfreude trübt das nicht.
Von Petra Suchanek