Zu viele Beschwerden: Post stellt heuer 500 Zusteller ein

Tagelang leere Postfächer, überforderte Briefträger, frustrierte Kunden: Jetzt steuert die Post mit einer Personaloffensive dagegen.

Still und leise hat die Post AG heuer bereits 500 neue Zusteller aufgenommen. 2000 Aushilfskräfte kommen in der anstehenden Urlaubszeit dazu. Der börsennotierte Konzern reagiert damit auf die immer offensichtlicher gewordenen Missstände in der Zustellung.

Die Post hat in den vergangenen Jahren die Zahl der Zusteller von 11.000 auf 9000 reduziert. Vor allem ältere und beamtete Mitarbeiter wurden pensioniert.
Der personelle Kahlschlag führte  bei Krankenständen und Urlauben zu Ausfällen –  die Post blieb liegen.  Um die Jahreswende spitzte sich das Thema so zu, dass es zu einer internen Krisensitzung im Konzern kam. Personalvertretung und Vorstand  einigten  sich über eine Personaloffensive. Postsprecher David Weichselbaum: „Wir schauen uns das in den  nächsten Monaten genau an, wir überprüfen laufend die Rayone und passen den Personalbedarf an.“  Man sei bemüht, den Zustellservice bestmöglich abzuwickeln, wisse aber, „dass es zu Verzögerungen kommen kann.“

Abarbeiten: „Krachvolles Postauto“

Die passierten zuletzt in einem Rayon in Salzburg-Maxglan. Nachbarn einer ganzen Straße erhielten Anfang Mai  zehn Tage lang keine Post, schreibt  Eva L. dem SF. Bei der Beschwerde-Hotline habe sie nur „schwammige Auskünfte“ erhalten und, dass man sich beim Verteilzentrum nicht erkundigen könne,  da diese  „keine Telefonnummern“ hätten, wundert sich Frau L. Am Ende kam heraus: Der langjährige Zusteller hatte Urlaub, dessen Vertretung erkrankte. Dann, so weiß Eva L. nunmehr, „türmt sich die Post im Rayon bis zum Himmel und alles muss nachträglich ausgefahren  werden.“ Der Maxglaner Postfuchs sei „an zwei Tagen von fünf bis 18 Uhr mit seinem krachvollen Auto“ gefahren.

Zwei Wochen ohne Zustellung

Im November 2016 schalteten Anrainer in Bad Vigaun sogar die Halleiner Kommunalpolitik ein, nachdem zwei Wochen lang keine Post mehr kam. Ein Imker berichtete im ORF über ein Foto, das in der Zustellbasis Puch gemacht wurde: Es zeigte überquellende Sortierfächer, aus denen die Post herausfiel. Anfang des Jahres ärgerte sich der Walser Bürgermeister Joachim Maislinger öffentlich über die Post. In der Gemeindezeitung wurde zu einer Gewerbeausstellung eingeladen. Von den 4800 Exemplaren landeten viele jedoch erst nach der Veranstaltung oder gar nicht in den Haushalten, so Maislinger in den „Salzburger Nachrichten“.

Gelben Zettel einwerfen

Auch auf Online-Plattformen finden sich teilweise haarsträubende Schilderungen  – über verschwundene, aufgerissene, regennasse oder in den Garten geschmissene Pakete. Oder über den Ärger mit dem „gelben Zettel“. Einem Salzburger, der im dritten Stock wohnt, wurde diese Benachrichtigung (Abholung im Postamt) ohne Anläuten ins Brieffach geworfen, obwohl er an diesem 30. Dezember 2015 „den ganzen Tag zu Hause war“, schildert der Mann auf dem  Konsumentenportal  „reclabox“. Andere Beschwerden betreffen den Umgangston. Ein Wiener habe eine Woche auf ein Paket aus  Salzburg gewartet, zudem gab es laut Post-App Zustellprobleme. Als der Wiener sich beim Zusteller beschwerte, habe dieser ihm erwidert, er „schmeiße ihm in Zukunft, wenn überhaupt, nur noch gelbe Zettel ins Postkastl“.

Kleinere Teams kommen

Die Post organisiert auch die Briefdistribution neu. „Wir  versuchen, kleinere Führungsspannen zu schaffen“, erklärt Postsprecher Weichselbaum. Die mitunter schwerfällige Struktur der Dienststellen mit 100 Zustellern wird auf acht- bis zehnköpfige Teams umgestellt. Der Teamleiter trägt selbst mit aus und weiß somit, was im Rayon läuft.

Hauptproblem Sprache

Das Modell wurde in der Stadt Salzburg links der Salzach bereits umgesetzt. „Wir arbeiten uns kleinweise nach oben“, schildert ein Salzburger Personalvertreter. „Die Probleme entstehen aus einer Mischung, es sind die Leute und die Strukturen.  Jetzt wird längerfristig geplant und nicht erst Ersatz gesucht, wenn einer ausfällt.“ Auch das Personal habe sich stark gewandelt, nur noch 50 Prozent sind (österreichische) Beamte. „Unser Hauptproblem ist nicht so sehr die Bezahlung, sondern die Sprache. Wir haben alle Nationalitäten, von Afrika bis Ungarn. Es geht darum, dass man sinnerfassend versteht, was einem angeschafft wird und man mit den Kunden reden kann.“ Massiv verschärft hat sich auch das Tempo. „Die Rayone sind so bemessen,  dass einer im Laufschritt rennen muss, damit er mit neun Stunden auskommt.“

Sonja Wenger