Warum Musik Balsam für die Seele ist

Musik ruft Gänsehaut hervor, regt an, beruhigt, lindert Schmerzen. Selbst Tiere reagieren auf sie. Musik macht glücklich, bestätigt die Wissenschaft. Schön, doch was steckt dahinter?

Man muss nicht gleich in einen Konzertsaal gehen, um zu verstehen, wie stark Musik auf den Menschen wirkt. Wenn einem beim Klang des Orchesters, des Sängers, der Orgel wohlige Schauer über den Rücken laufen. Es reicht, beim Ansehen eines Films  den Ton abzudrehen. „Herr der Ringe“ ohne Musik? Öd. Eine romantische Liebesszene zu Death Metal?  Geht gar nicht. Denn Musik ruft Gefühle hervor – ganz ohne Worte.

Musik macht glücklich, sagt die Wissenschaft

Warum der Mensch auf Musik anspricht,  ist wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt. Dass er darauf nicht nur emotional, sondern auch körperlich reagiert, schon: „Beim Musikhören wird eine Reihe körpereigener Hormone aktiviert“, sagt Schmerzforscher Günther Bernatzky. „Harmonische“ Musik bewirke die  Ausschüttung der Glückshormone Serotonin und Dopamin, senke das Stresshormon Cortisol. Herzschlag, Blutdruck, Atemfrequenz und Muskelanspannung verändern sich.

Soll man also Babys Mozart vorspielen, um sie zu beruhigen? „Klassische Musik, gerade jene von Mozart und Bach, wirkt auf viele Menschen beruhigend“, bestätigt Bernatzky. Die Erklärung  liegt im Tempo: Das Herz schlägt bei normaler Belastung 72 Mal pro Minute. Liegt das Tempo eines Liedes unter 72 „Schlägen“, so wie meist in der Klassik, wirkt das beruhigend, liegt es höher, wirkt es aktivierend.

Während geistliche Choräle das Herz also ruhiger schlagen lassen, hat Lady Gaga leistungssteigernde Wirkung. Ob jemand Rock, Jazz, Pop, Volksmusik oder Klassik bevorzugt, ist individuell verschieden.  Wiegen- und Trauerlieder werden aber weltweit als solche erkannt.

Der Salzburger Schmerzforscher Günther Bernatzky sieht in seinen Studien die heilsame Kraft der Musik vielfach bestätigt. Foto: privat

Musiktherapie reduziert den Einsatz von Medikamenten

Nicht unterschätzen sollte man die Lautstärke. Bernatzky: „Wir leben in einem Stresssystem, in dem wir nicht immer gleich hörempfindlich sind. Manchmal können laute Passagen Stress auslösen, manchmal leise. Da muss man die Lautstärke anpassen.“ Dass Musik nerven kann, erlebt man in Kaufhäusern, wo die Zwangsbeschallung zum Konsum animieren soll.

Richtig eingesetzt macht Musik aber glücklich  – und hat therapeutische Kraft. Beweise dafür hat Bernatzky viele gesammelt. So zeigte eine Studie, dass durch gezielte Musikbegleitung  der Medikamenteneinsatz vor und nach Operationen deutlich reduziert werden kann – um 54 Prozent bei Schmerzmitteln, um 64 Prozent bei Schlafmitteln.

Ermutigende Ergebnisse kennt Bernatzky aus der Parkinson-Forschung. Dort verbesserten sich bei den Betroffenen  nach Aufsetzen der Kopfhörer  Zittern und Ganggeschwindigkeit – zumindest vorübergehend. In den  Salzburger Landeskliniken  haben Patienten die Möglichkeit,  von Bernatzky zusammengestellte CDs zu hören.

Auch an Tieren forschte der gebürtige Pinzgauer. Ob ihnen Musik gefalle, konnte er nicht herausfinden. Wohl aber, dass sie darauf reagieren.   Hühnerküken   verringerten bei Musik ihr Piepsen, eine Lautäußerung, die auf Stress zurückzuführen ist.

Der Mensch braucht auch Stille. Wird sie zu viel, hilft Musik gegen  die Einsamkeit. Schon  König Saul rief im Alten Testament den Harfenspieler zur Linderung seiner Schwermut herbei. „Was damals aus Intuition geschah, lässt sich heute wissenschaftlich belegen. Ich glaube  fest an die Kraft der Musik“, so Bernatzky.

Von Petra Suchanek

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