Filmkritik: Viktoria – Männer und andere Missgeschicke

Victoria ist Ende 30, erfolgreiche Anwältin, attraktiv, alleinerziehend mit zwei Kindern, sexuell promiskuitiv – und  schlittert zunehmend in eine Krise.

„Seit wann geht mein Leben in die Hose?“, fragt sie ihren Psychotherapeuten. Aber der kann ihr ebenso wenig helfen wie eine Hellseherin und ein Akupunkteur. Als es ihr in der Folge immer weniger gelingt, Beruf und Privates zu trennen, nimmt das Chaos zu. Zuerst soll sie einen engen Freund vor Gericht verteidigen. Dann nimmt sie einen ehemaligen Klienten, einen Gelegenheitsdealer, bei sich als Babysitter auf. Und schließlich muss sie sich mit ihrem Ex-Mann herumschlagen, weil dieser in einem Blog höchst Vertrauliches aus ihrem Leben ausplaudert.

Inszenierung:

Während der Subtitel des Films eine banale romantische Komödie suggeriert, gelingt der französischen Regisseurin Justine Triet mit ihrem zweiten Film eine unkonventionelle Tragikomödie. So schwer greifbar wie die Heldin ist der Film selbst. „Viktoria“ ist mal tiefgründige Charakterstudie, mal satirischer Gerichtsfilm und mal (un)romantische Komödie. Die Atmosphäre pendelt zwischen melancholisch, komisch und überdreht. Immer wieder greift die Regisseurin beim Erzählen auf Parallelmontagen zurück, um so die prekäre Situation der Heldin zu veranschaulichen. Das Herzstück des Film ist Hauptdarstellerin Virginie Efira, die in ihrer Rolle zugleich verletzlich und robust erscheint und in ihrem Schauspiel (und Äußeren) an Jennifer Lawrence erinnert.

 

 

Botschaft:

„Ich bin kein Opfer. Ich bin flexibel. Ich bin ein Stehaufmännchen“, sagt die Heldin  über sich. Und dann: „Es ist frauenfeindlich, Frauen per se als Opfer zu sehen.“

Der bewegendste Moment:

Gleichsam als Running Gag schüttet sich Viktoria ihr Herz  bei den falschen Menschen am falschen Ort aus. Einer Klientin, die sie verteidigen sollte, erzählt sie von ihrem Ex, beim zweiten Psychotherapeuten redet sie über den ersten . . .    (Ab 25. Mai)

Helmut Hollerweger

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