Eine haarige Angelegenheit

Schönheit, heißt’s ja, liegt im Auge des Betrachters. Die Augen meiner Freundinnen sehen da definitiv oft ganz woanders hin als meine.

Und finden Schönheit, wo ich nur Grattligkeit seh. Man geht in einer Mädelsrunde fort, schaut sich ein bisserl um, weil schauen darf man ja, eine Freundin stupst und deutet und raunt: „Der da drüben, uuuh, der ist scharf“, und selber denkt man sich: „Meint die den Schiachen?“ Das Gute daran ist, dass man sich nicht in die Quere kommt. Beim Schauen, mein ich natürlich. Und es zeigt, dass Geschmäcker eben verschieden sind – auch und zum Glück, wenn’s ums andere Geschlecht geht. Für mich sind zum Beispiel Männer mit langen Haaren derart unattraktiv, die sind wie blinde Flecken in meiner Wahrnehmung. Ich seh die quasi nicht. Wenn sich einer das Haupthaar zurückschlatzt und zum Pferdeschwanz bindet, ist bei mir der Ofen nicht nur aus, nein, da hab ich gar keinen Ofen mehr.

Das war schon so, als ich am 18. Geburtstag meiner besten Freundin mit ihr bei den Chippendales war: wallendes Haupthaar und hübsche Zöpfchen – bei den Typen auf der Bühne, nicht bei den Frauen im Publikum. Jetzt hab ich diesbezüglich ein bisserl Pech mit der gängigen Haarmode für Männer: Erstens trägt Mann wieder Gesichtsbewucherung von der Nase bis zu den Brustwarzen, bei der man nicht mal weiß, wo man ungefähr hinschmusen sollte, zweitens meidet Mann den Haareschneider und knotet sich die Zottelsträhnen zu kleinen Knödeln am Hinterkopf, Man Bun genannt. Das ist der Hipster-Look, nach vielen Jahren in den Metropolen dieser Welt zu meinem Leidwesen als auslaufender Trend auch im provinziellen Salzburg angekommen.

Karikatur: Thomas Selinger – www.seli.at

Jeder darf, wie er möchte und wie es ihm gefällt, aber: Für mich gibt’s nur zwei Kategorien von Menschen, die einen Dutt tragen sollten, das sind a) Ballerinas und b) strenge Lehrerinnen. Niemand davon ist männlich. Das seh aber nur ich so, denn viele Frauen kriegen beim Anblick dutttragender Holzfällertypen durchaus weiche Knie. Erst letztens im Rockhouse stand ein kolumbianisch anmutender Kerl in Barnähe, mit dunklen Augen und Man Bun, an dem klebten die Mädels wie die Wepsen an einem Freibadmistkübel. Eine Freundin, die mit Mr. Schwarzlöckchen geredet hatte, kam strahlend zurück und verkündete: „Du musst zu ihm gehen, der ist Sex pur!“ Ich hätt mir lieber den Lidstrich mit einer brennenden Zigarette nachgezogen. Ich frag mich da nämlich auch: Was für zottelige Knödel trägt so ein Hipster eigentlich untenrum? Aber keine Sorge – da schau ich nicht nach.

Mareike Fallwickl  arbeitet als freie Texterin und Lektorin und ist erreichbar unter interaktiv@svh.at

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.