Ein Augenschmaus

Schön tafeln? Der karibischste See und die englischste Stube im Land.

Ein Fenster über Schönheit – auch in der Gastronomie. Der Mensch ist ein Augentier, braucht etwas zum Anschauen. Wir gehen auf die Suche.
Mattsee, der Iglhauser. Ein mächtiges Anwesen, schlossartig die Weyerbucht beherrschend, gepflegter Luxus. Mehrfach aßen wir im Gastgarten vor dem Portal, nicht hässlich dort. Aber diesmal vertrieb uns die Kälte nach innen – leider, dachten wir, dabei hatten wir Glück. Denn es öffnete sich eine Stube, die jedem englischen Herrenhaus Ehre erweist.  Knarzender Holzboden, blanke Holztische, Bänke mit grünen Polstern, auf denen weiß die Hirsche springen, Ohrensessel. Ein Kachelofen, eine historische Szene auf den Putz der Wand gemalt. Dazu Regale, Bücher, Weinflaschen – lässige Eleganz wie im Wohnzimmer. Zu Gast bei Lord und Lady.

In England müsste man jetzt zweierlei fürchten: schreckliches Essen und unverschämte Preise. Aber wir sind in Salzburg. Dreigängig die Menüs um 29 Euro, das ist freundlich kalkuliert. Eine Kräutersuppe eröffnete, nicht rahmschwer sondern leicht die Bittertöne von Kresse bis Bärlauch abbildend. Im Frühjahr kommen die Hechte im See nach oben, schwarz ist noch ihre Haut, sie schmecken hoch aromatisch. Ein Filet, gedünstet, mit viel bissfestem Gemüse von Lauch bis Spargel, ein wenig Butter: wunderbar. Und die Moosbeeren in der Palatschinke, fruchtig-bitter, ein Vergnügen. Zwei offen ausgeschenkte Achtel Wein, für drei Euro nur, sogar aus bekannten Gütern. Hauben-schön.

Nun spottet die Vorkosterin ein wenig über des Vorkosters Liebe zum englischen Landlord-Stil. Er wird’s aushalten. Soll sie sagen, was sie als schön erlebt.

Sie führte uns an den Fuschlsee, den karibischsten unter Salzburgs Seen, was das Türkis des Wassers angeht. Dort steht, außerhalb des Ortes, seit 600 Jahren ein mächtiges Haus, das seit sechs Generationen den Brandstätters gehört – wobei die letzten zwei Besitzer den Brunnwirt in die Herzen der Feinschmecker kochten. Erst Cäcilia, jetzt Sohn Johannes. Und die hinter dem Haus und über dem See ihren Gastgarten ursprünglich beließen. Da stehen Tische und Stühle auf der Wiese. Kühl unter Baumes Schatten. Dort in den Abend zu tafeln, der Sonne beim Untergehen zuzuschauen, den See seine Farbe wechseln zu sehen, das befreit von Erdenlast.

Johannes Brandstätter kocht der Schönheit des Ortes angemessen. Lässt handtellergroße Ravioli servieren, dünnst der Teig, fast körperlos, gefüllt mit einer Creme aus Schafkäse vom Eisl aus Abersee, schmelzend zart, italienisch kontrastiert von Pesto, getrockneten Tomaten und Parmesanspänen. Richtig gut. Dann hatten wir Glück, es gab Kobe-Rind vom Leitner-Bauern aus Thalgau – ein seltener Luxus, auf dem Hof steht gerade ein Dutzend der Tiere. Die Beiried schmeckte mild und saftig, eine  sanfte Textur, in einer höchst intensiven Sauce samt Selleriepüree und schön würzigem Wildblatt-Salat. Schokolade und Erdbeere trafen sich zum Dessert; als Kuchen und Eis, eine genussvolle Ehe – zweihaubig schön.
Iglhauser, Schlossbergweg 1, 5163 Mattsee,  06217/5205, www.schlosshotel-igl.at
Brunnwirt, Wolfgangseestr. 11, 5330 Fuschl, 06226/8236, www.brunnwirt.at

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