Land der „Sagler“: Fast nirgends gibt es so viele Tischler

Der Esstisch zeigt auf: Regionales gewinnt  an Wert, Geselligkeit zählt. Auch Junge entdecken ihn derzeit neu. Bleibt nur die Frage: Wie steht es eigentlich um unser aller Tischmanieren?

Fast nirgends gibt es so viele Tischler wie in Salzburg. Ihr Geschäft brummt, auch weil regional gefertigte Tische  zum Inbegriff Salzburger Stärke werden.  700 Tischlerbetriebe verteilt aufs Bundesland, das sind  im Schnitt sechs in jeder Gemeinde, machen die Holzbranche zur zweitwichtigsten Branche im Land. Mit der „Sagler-Schule“, wie das Holztechnikum Kuchl liebevoll genannt wird, und der Fachhochschule,  hat Salzburg im Tennengau ein Top-Ausbildungszentrum, das viele junge  kreative Köpfe hervorbringt.

Selbst die  Sägeindustrie, also die klassischen „Sagler“, haben den heftigen Strukturwandel relativ passabel gemeistert. Auch wenn die Zahl der Sägewerke spürbar gesunken ist. Auch wenn der internationale Druck gewaltig ist. Wer übrig blieb, ist fitter als früher.

Und die klassischen Tischler nutzen geschickt den wachsenden Wunsch der Salzburger, regional und authentisch einzukaufen. Das heißt auch: Weg von billiger Massenware, hin zum individuellen Möbelstück. Das ist zwar teurer, doch immer mehr Menschen wollen sich das leisten – sofern sie können.  Mit 1000 bis 3000 Euro je nach Größe muss man bei einem guten Esstisch vom Tischler schon rechnen. Der ist dann aber auch aus Vollholz gefertigt, geschlägert in heimischen Wäldern –  und hält ewig.

Herbert Lechner vom Holzcluster Salzburg führt den Wunsch nach Wertigem auch auf die  Finanzkrise 2009 zurück: „Die Menschen setzen nicht mehr auf abstrakte Zahlen, sie wollen Konkretes, Regionales und Nachhaltiges.“  Gerade der Esstisch steht derzeit hoch im Kurs. Er ist  nicht bloß  Gebrauchsmöbel, er ist Kulturgut und  Kommunikationszentrale.  An ihn setzt man sich mit seiner Familie, mit Freunden, man tischt auf, isst und lacht gemeinsam – das  ist gesellig, bereitet Freude und  gibt Halt.

Dreikant aus Golling: Die neue Gilde an Handwerkern im Land inszeniert sich modern und frech – und setzt auf regionale Hölzer und cooles Design. Foto: Christoph Kobald

„Beim Esstisch wollen die Leute was G’scheites“

„Zu uns kommen viele, vor allem auch junge Leute, die sagen: Beim Esstisch wollen wir was G’scheites, da sparen wir lieber woanders“, erzählt Matthias Lienbacher vom Gollinger Unternehmen  Dreikant.  Die drei jungen Burschen verarbeiten ausschließlich heimische Hölzer, setzen auf cooles Design, kombinieren Holz und Eisen.

Reißt der Sturm beim Bauern ums Eck einen Obstbaum aus, hat  Lienbacher im Unterschied zur großen Möbelindustrie  dafür Verwendung.   Das ist  zwar aufwändiger in der Verarbeitung, gibt dem Tisch aber eine persönliche Note, eine eigene Geschichte. Und genau das wollen die Menschen, ist Lienbachers Erfahrung. Es sind nicht zuletzt junge Wilde wie die drei Tennengauer, die der Branche zu einem flotten Image verhelfen.

Von diesem konnte man sich auch beim Gestaltungswettbewerb „Der Salzburger Tisch“ überzeugen, den proHolz, Holzcluster und die Tischlerinnung ausgeschrieben hatten. Dreikant  ging daraus gemeinsam mit der Ernst Alois Tischlerei aus Krispl und der Wallinger Tischlerei aus St. Koloman als Sieger hervor. Mit dem Thema Tisch habe man den Zeitgeist getroffen, sagt  Lechner: „Das Interesse war enorm.“  (Ausstellung bis 14. Mai, Initiative Architektur, Künstlerhaus.)

Dabei hatte der Tisch in Salzburg nicht immer diesen hohen Stellenwert, weiß Kunsthistorikerin Urd Vaelske vom Salzburg Museum: „Das bürgerliche Leben findet bis 1700 am Küchenherd eine symbolische Mitte. Als  die Küche ihre zentrale Stellung einbüßt, tritt an die Stelle des Herdes der Esstisch in der Wohnstube“.

Das veränderte Einiges: So ging man vom Stehen und Hocken  zum Sitzen auf Stühlen über. Das Essen an einem Tisch  hatte ein erhöhtes Maß an Disziplin  zur Folge, was eine neue Form der Tischsitten hervorbrachte. Unter dem Einfluss der höfischen Kultur Frankreichs und Italiens im 16. Jahrhundert griff man zum Essbesteck.

Von Petra Suchanek

Tischmanieren

Wie man sich heute  bei Tisch  verhält, weiß  Etikette-Expertin Elisabeth Motsch und  Autorin des Buches  „Karriere mit Stil“. Sie gibt Tipps, damit man nicht ins Fettnäpfchen tritt, wenn es heißt: „Bitte zu Tisch!“. Sie sind bei Freunden oder Bekannten zum Essen geladen? Dann sollten Sie Folgendes beachten:

  1.  Nie überpünktlich  sein: Heißt es „um 17 Uhr“, dann  zwei bis drei Minuten später kommen, 10 Minuten sind  zu spät.
  2. Gastgeschenk mitnehmen, z.B. ein  gutes (Oliven-)Öl. Auch an den Hausherrn denken.
  3. Nicht mit dem Aperitiv / Setzen / Essen beginnen, bevor der Gastgeber einen Toast ausspricht / zum Setzen  auffordert / Guten Appetit wünscht.
  4. Immer Serviette verwenden: Diese zur Hälfte gefaltet auf den Schoß legen, die Öffnung schaut zum Körper.
  5. Vor dem Trinken die Lippen abtupfen, um Fettspuren am Glas zu vermeiden.
  6. Brot vom Brotteller wird gebrochen (nicht abbeißen!). Der Teller bleibt links außen stehen.
  7. Beim Wein sagt man „Zum Wohl“, nicht „Prost“. Wein- und Sektgläser werden am Stiel gehalten, nicht am Kelch.
  8. Das Besteck nicht wie ein Metzger halten. Und: Es darf  nicht  mit dem Tisch(tuch) in Berührung kommen. Ist man fertig, legt man es am Teller auf  die Position 16:30  bis 17 Uhr.

Foto Bild ganz oben: „Dreikant“-Trio Stefan Rehrl, Mario Siller, Matthias Lienbacher in Szene gesetzt von Fotograf Volker Wortmeyer.