Wie zu Kaisers Zeiten: Holzboot-Rudern am Wolfgangsee

Echt wie früher und entspannend: Holzboot-Rudern am  Wolfgangsee. Die wieder entdeckten „Traunerl“-Holzboote sind ideale Vehikel für Retro-Mobilität.

Sich fortbewegen wie früher „zieht“. Das zeigt die Wiederbelebung der „Traunerl“. Einst prägten die eleganten, einfachen Ruderboote das Bild rund um den Wolfgangsee. Auf ihnen transportierte man seit dem Mittelalter Güter, Tiere und Menschen über den See.  „Meine Uroma hat den Kaiser Franz Josef ausgefahren“, erinnert sich ein Salzburger, dessen Familie bis vor wenigen Jahrzehnten immer Traunerl benutzt hat. Im 20. Jahrhundert verloren die Traditions-Boote aus Lärchen- oder Tannenholz an Bedeutung und wurden zuletzt  immer seltener.

Fast verschwunden – jetzt wieder da

Jetzt sind die Traunerl wieder da. Im Juli und August sieht man sie an  lauen Abenden mit trachtig gewandeten, gut gelaunten Passagieren aus Nah und Fern auf dem Wasser. Die kleinen Bootsgesellschaften  legen in St. Wolfgang und in St. Gilgen ab und steuern eine malerische Kulisse an: die weithin sichtbare Falkensteinwand. Die gemächliche Fahrt (ab 100 Euro pro Boot) ist  entschleunigend, wird an der steilen Felswand aber noch idyllischer, wenn mitfahrende Musiker ihre Flügelhörner anstimmen. „Die Fahrten kommen bei den Gästen richtig gut an“, freut sich Sigmund Falkensteiner. Der St. Gilgener Bauer und Hotelier fördert als Obmann des 2014 gegründeten Vereins „Naturerlebnis Traunerl“ die Neubelebung der Boote.

Es läuft bei diesen Bootsfahrten tatsächlich  wie eh und je: Gesteuert wird das Traunerl von nur einem Ruderer mit nur einem Ruder.  Ist das Boot voll besetzt, packt ein zweiter „Gondoliere“  an und natürlich, lacht Falkensteiner: „Auch Frauen haben hier das Ruder in der Hand.“

Mit einem Ruder steuert der „Gondoliere“

Das Rudern ist eine Herausforderung. Damit er bis zu acht Leute sicher übers Wasser befördern kann, muss der Ruderer das kiellose Holzboot wirklich im Griff haben.  Immer wieder dreht sich alles um den Wind.   Der kann richtig ungut werden, etwa wenn dem Boot bei der Rückfahrt plötzlich Südföhn  entgegen bläst. Falkensteiner: „Da hast du es als alleiniger Ruderer mit einem voll besetzten Boot echt schwer, die Leute wieder heimzubringen.“ Um für solche Notfälle gerüstet zu sein, hat der Verein seine Boote mit Schwimmwesten und einem  Not-Motor ausgerüstet.

Verein eroberte Seeufer zurück

Bis jetzt, so der Vereinsobmann, traue sich aber erst die Hälfte der 25 Vereinsmitglieder ans Ruder.
Was die Traunerl-Liebhaber  schon auf die Beine gestellt haben, kann sich sehen lassen. Zwei Traunerl wurden  gebaut, ein Unterstellplatz samt Werkstatt errichtet und die regelmäßigen Ausfahrten (Kontakt: Tel. 0664- 1336080) im Juli und August ins Leben gerufen. Und weil man gemeinsam mehr erreicht, hat der Verein auch ein paar Seezugänge wieder für jedermann „zurückerobert“. Dort kann jeder mit kleinen (Ruder-)Booten für einen Landgang anlegen. Falkensteiner: „Das war für die Leute früher  wichtig und ist ein uraltes Recht.“

Von Sabine Tschalyj

Die Autorin ist erreichbar unter sabine.tschalyj@svh.at