Haltung zeigen. Sich Zeit nehmen. Wir geben viel auf!

Alles muss immer noch schneller gehen. Diesem Diktat einer dahinrasenden Gesellschaft ordnen viele fast alles unter. Das tut weder dem Individuum noch dem Gemeinwesen gut.

Es ist vielleicht ein ungewöhnliches Beispiel, aber man könnte auch viele aus politischen oder persönlichen Debatten nehmen: Die Art und Weise, wie die Fußballer von Red Bull Salzburg zuerst (nach Niederlagen) von Volkes Stimme niedergemacht und wenige Monate später (nach einer Siegesserie) in den Himmel gehoben werden, sagt sehr viel darüber aus, wie unsere Gesellschaft tickt. Geduldig sein, zuwarten können, hartnäckig an etwas arbeiten –  auch in Momenten des Rückschlags an etwas glauben? Gibt es kaum noch. Da wird sofort abgeurteilt, niedergemacht, weggeworfen.

Wovon man gestern noch überzeugt war, als Strategie ausgab, wird morgen in den Wind geschrieben, wenn erste Rückschläge auftauchen. Die sind  in jedem Prozess aber logisch, ja notwendig, um gute Weiterentwicklung zu schaffen. Noch ein Beispiel dazu: Den Weltkonzern Apple würde es heute so sicher nicht geben, hätte Steve Jobs nach seinem Rauswurf und der existenziellen Krise des Unternehmens klein beigegeben. Hat er aber nicht. Er kämpfte für seine Überzeugung – und wurde milliardenfach dafür belohnt. Nebenbei sei  betont: Auch viele unserer Familienbetriebe sind deshalb so erfolgreich, weil sie langfristig denken – und eben nicht pausenlos Strategien ändern.

Hinter dieser Wegwerf-Haltung von Überzeugung steckt eine fatale  Grundhaltung, die da heißt: Geschwindigkeit ist alles. Das kollektive Motto ist mehr denn je: Je schneller, desto besser. Das ist aber Unsinn. Die besten Entscheidungen sind jene, die gründlich vorbereitet und überlegt sind. Und deren Strategie nicht beim ersten Gegenwind wieder über Bord geworfen wird. Dann muss man korrigieren, nachjustieren, aber ohne seine Überzeugung aufzugeben. All das braucht aber etwas, was wir uns in den meisten Lebenslagen nicht mehr gönnen. Zeit. Zeit zum Diskutieren. Zeit zum reiflichen Überlegen. Zeit zum Handeln. Zeit, auch durchzuschnaufen.

So steht am Anfang einer Ausgabe, die sich ganz dem Thema Mobilität widmet, ein ungewöhnlicher Aufruf.  Runter vom Gas! Nehmen Sie sich  die nötige Zeit. Es wird Ihnen gut tun.

Der Autor ist erreichbar unter hermann.froeschl@svh.at