Filmkritik: „Auf Ediths Spuren“

„Jede Familie hat ihre Geheimnisse, manche werden nie aufgedeckt“, meint zu Beginn der Erzähler aus dem Off. Aber nicht jede Familie, möchte man hinzufügen, kann mit einem solch spannenden Geheimnis aufwarten wie jenem der Familien Suschitzky bzw. Tudor-Hart. Edith Tudor-Hart, 1908 in Wien geboren, geht mit 16 nach London. Sie wird Montessori-Kindergärtnerin, studiert am Bauhaus in Dessau und wird Fotografin.

Mit ihren Bildreportagen avanciert sie zu einer der wichtigsten Figuren der Sozial-Fotografie der 1930er Jahre. Aber die überzeugte Kommunistin führt ein zweites Leben – als Agentin des sowjetischen Geheimdienstes KGB. Zu ihren wichtigsten Aktionen zählt die Rekrutierung des Jahrhundert-Agenten Kim Philby. Damit legt sie den Grundstein für die „Cambridge Five“, einer legendären Spionagegruppe für die Sowjetunion in England während des Zweiten Weltkriegs.

Inszenierung:

Schriftsteller und Regisseur Peter Stephan Jungk, Sohn des Zukunftsforschers Robert Jungk, ist ein Großneffe von Edith Tudor-Hart. Vor zwei Jahren veröffentliche er bereits ein Buch über die unglaubliche Biografie seiner Großtante – „Die Dunkelkammern der Edith Tudor-Hart“. Nun setzt er die Spurensuche mit den Mitteln des Dokumentarfilms fort. Er stöbert in Archiven in Wien, London und Moskau, illustriert Ereignisse aus ihrem Leben, zeigt ihre Fotos und spricht mit Historikern, Ex-KGB-Agenten, Archivaren und Familienmitgliedern. Unter ihnen ist Ediths Bruder Wolf Suschitzky, der kurz vor seinem Tod mit 104 Jahren über seine Schwester meinte: „Sie hat uns oft erzählt, dass ihr Leben fürchterlich ist, weil sie auf Schritt und Tritt von der Geheimpolizei verfolgt wird. Ich habe ihr kaum geglaubt.“

Der bewegendste Moment:

„Der Schlüssel zu allem findet sich in ihren Fotografien“, heißt es einmal im Film. Tatsächlich sind es die Fotos des sozialen Elends, die ihr Handeln erklären und nach dem Film nachwirken.

Fazit:

„Auf Ediths Spuren“ ist eine unglaublich spannende filmische Spurensuche nach den Geheimnissen einer außergewöhnlichen Frau!

Der Film feiert in Anwesenheit von Regisseur Peter Stephan Jungk am 18. April Salzburg-Premiere im Das Kino.

Helmut Hollerweger

Foto: Stadtkino