Es werden wieder mehr Benziner gekauft

Viele glauben: Irgendwann ist Ende mit Diesel.

„Diesel, Diesel, Diesel“, hieß das Glaubensbekenntnis der Salzburger Kfz-Besitzer lang. 62 Prozent der 27.500 im Vorjahr im Bundesland verkauften Neufahrzeuge waren Diesel, 34,8 Prozent Benziner und lediglich 1,5 Prozent Elektroautos (401 Stück). Hauptmotiv der Diesel-Anhänger sind die finanziellen Vorteile an der Tankstelle. Doch der Wind dreht sich.

Im Autohaus ÖFAG an der Innsbrucker Bundesstraße hat sich das Verhältnis umgedreht. „Wir verkaufen jetzt 70 Prozent Benziner, gerade in der Klein- und Mittelklasse“, schildert Geschäftsführer Wolfgang Friedl: „Der Dieselskandal, Medienberichte, dass der Diesel verpönt ist, haben die Käufer verunsichert. Viele glauben, dass man irgendwann mit einem Diesel nicht mehr in die Städte hineinfahren darf.“ Beim Opel-Nissan-Händler sind Kombis, Vans, Familienautos gefragt. Die Hälfte, manchmal auch mehr, wird als Gebrauchtwagen verkauft. Wobei die hohen Lebenshaltungskosten den Konsumenten zusetzten, so Verkaufsleiter Christian Nöbauer: „Unsere Kunden sind Leute, die auf den Preis schauen, die wollen sich wegen eines Autos nicht hoch verschulden.“ Barzahler seien selten geworden.

Autohandel legt zu

Insgesamt lege der Autohandel deutlich zu, freut sich Fachgruppenobmann Josef Nußbaumer: „Der Markt läuft gut, sowohl bei den Gebraucht- als auch bei den Neuwagen. Wir haben Steigerungen bei Privaten und bei Firmen. Das erste Quartal 2017 ist von den Rohdaten her noch besser als das Vorjahr.“ Absatzplus im Jänner: 19 Prozent, jene im Februar: 25 Prozent. Bundesweit wurden im Vorjahr 329.604 neue Autos und 841.310 gebrauchte angemeldet. Österreich ist europaweit (hinter Italien und Finnland) das am höchsten motorisierte Land: Auf 1000 Einwohner kommen bereits 500 Pkw, im Schnitt sind die Autos 7,9 Jahre alt, auch das ein Spitzenwert. Salzburgs Kfz-Handel setzt jährlich rund 8 Milliarden Euro um und beschäftigt 6300 Mitarbeiter.

Fliegende Balkan-Händler

Die Preisentwicklung ist relativ moderat, weil Hersteller und Autohandel unter einem starken Konkurrenz- und Preisdruck stehen, so eine Analyse der Economics und Market-Abteilung der UniCredit Bank Austria zur Kfz-Branche (Juli 2016). Das Internet hat für den Endkunden wesentlich mehr Transparenz geschaffen und wird auch vom stationären Handel ganz selbstverständlich genutzt.

Schließlich tummeln sich am Markt noch die fliegenden Händler, die auf Parkplätzen Visitenkarten mit Telefonnummern hinterlassen: „Wir kaufen jedes Fahrzeug.“ Meist werden die Autos in den Balkan transportiert, in Teile zerlegt und wiederverkauft. Aktuell gefragt sind der Golf 3, Golf 4, Opel Astra, erklärt ein Rumäne und Mechaniker in gebrochenem Deutsch.

Von Sonja Wenger

Die Autorin ist erreichbar unter sonja.wenger@svh.at