Vom Pferdestall auf die Weltmärkte

Dieses Start-up kommt ohne App oder Digitales  aus. Zwei Plainfelder erfanden  einen simplen Verteilerkasten – und werden jetzt gestürmt.

Warum hat das noch keiner erfunden? Diese Frage hören Willi Mühlbacher (35, WM Elektrotechnik) und Patrick Cais (36, CAPA Lichttechnik) aus Plainfeld zur Zeit dauernd. Antwort haben sie keine, aber eine Lösung. Mit der wollen der Elektrikermeister und der Elektro-Ingenieur  groß durchstarten.

Verteiler setzen „nervig“ und mühsam

Die Erfindung der im November gegründeten  „Tefact GmbH“ heißt „VMG485“. Es ist ein Verteilermontagegestell, das Elektrikern und Maurern im Wohnungsbau die Arbeit erleichtern soll. Bisher läuft es nämlich so, wenn beim Bau einer Wohnung die Verteilerkästen (für Starkstrom und Schwachstrom) gesetzt werden: „Der Maurer baut eine Ziegelwand, dann stemmt der Elektriker in der eben errichteten Wand zwei Löcher für die  Verteiler frei. Hat er diese eingesetzt, muss der Maurer seine Wand wieder aufwendig zusammenflicken“, schildert Elektriker Willi Mühlbacher.
Das Stemmen und Ausbessern nervt  die Elektriker  und Maurer – und verschlingt  teure Arbeitszeit. In knapp 20 Jahren auf Baustellen hat Mühlbacher dieses Szenario tausendfach erlebt. „Das muss doch einfacher gehen“, dachte sich der Flachgauer vor zwei Jahren, fing an zu tüfteln und baute einfach selbst die Lösung: Gemeinsam mit Geschäftspartner Patrick Cais hat Mühlbacher im Jänner das Verteilermontagegestell VMG485 auf den Markt gebracht.

Die Erfindung spart Arbeitszeit

Das Prinzip ist „watscheneinfach“: „VMG485“ ist ein raumhohes Gestell mit bereits eingebauten Verteilerkästen. „Das Gestell baut der Maurer  gleich in die Wand hinein und fertig“, so der Plainfelder. Die Zeitersparnis: Statt zwei Wohnungen pro Tag „schafft“ ein Elektriker nun acht pro Tag. „Das verstehen sie am Bau: Zeit ist Geld“, sagt Patrick Cais, der im neuen gemeinsamen Unternehmen „Tefact“ für den Vertrieb sorgt und das Gestell zum Patent angemeldet hat.
Mut bewiesen die beiden Plainfelder auch. Sie investierten 150.000 Euro, um gleich einmal 500 Stück ihres Gestells zu bauen. In einem ausgedienten Plainfelder  Pferdestall, in dem nichts steht außer zwei  riesigen Arbeitstischen aus Holz und einer kleinen Heizkanone. Jetzt platzt der Stall aus allen Nähten, ist angefüllt mit 500  raumhohe Kartons mit fertigen „VMGs“.

Der Anfang: Ein Stall, eine Heizkanone

Der Erfolg dürfte den beiden Gründern Recht geben. Jüngst bei der Elektrofachmesse „Power Days“ im Salzburger Messezentrum seien die Leute angestanden, strahlt Willi Mühlbacher. Mit ihrem selbstgezimmerten „Mini-Messestand“ zogen sie die Augen vieler auf sich. „Ein Elektromeister ist richtig herumgesprungen und hat „Super!“ gerufen und sofort andere Leute hergeholt“, erzählt Cais.  Alleine auf der Messe seien mehr als 120 Gestelle bestellt worden.  „Insgesamt sollen wir schon für 600 Wohnungen in Salzburg, Oberösterreich und Bayern Gestelle liefern“, ist Cais begeistert.

Jetzt soll es auch ins Ausland gehen

Der Ehrgeiz der beiden ist groß: In den nächsten beiden Jahren wollen die Firmengründer zehn Prozent Marktanteil erreichen (1200 Wohnungen ausstatten). Auch ins Ausland strecken die Plainfelder schon ihre Fühler. Im Mai fahren sie mit einer Wirtschaftskammerdelegation nach Bozen (Südtirol), wo sie Handelsvertreter für ihr Produkt gewinnen wollen. Bei den Großhändlern in Österreich seien sie schon gelistet. Das Rad beginnt sich  zu drehen. „Vor kurzem hat sich ein Elektriker gemeldet, der in Traunstein Verteiler in neuen Wohnungen setzt. Sein Bauträger hat ihm gesagt, er soll bei uns  „VGM485“ bestellen“, schmunzelt Mühlbacher, der selbst zehn Mitarbeiter beschäftigt. Auch bei seinem Unternehmen läuft das Geschäft zur Zeit wie geschmiert – nur Leute finde man nicht.

Geplant: Ein Businesspark

Geplant: Ein BusinessparkIn nächster Zeit steht ohnehin ein Großprojekt an: Für „Tefact“ suchen die Gründer einen mindestens 3000 Quadratmeter großen Standort. Geplant ist ein Businesspark, in dem auch andere (Handwerks-)Unternehmen einziehen können. Ziel ist, Synergien zu nutzen , damit  gemeinsam was weitergeht. Wie sie die geplante Investitionssumme von 1,5 Millionen Euro stemmen wollen? Cais: „Zur Hälfte selbst, den Rest mit Kredit oder einem Investor.“

Von Sabine Tschalyj

Die Autorin ist unter sabine.tschalyj@svh.at erreichbar