Kein Job bleibt so wie wir ihn kennen

Die Umwälzungen durch die Digitalisierung haben gerade erst begonnen.

Jeder zweite Arbeitsplatz werde in den nächsten 20 bis 30 Jahren verschwinden. Unsere Gesellschaften stünden vor der größten Umwälzung seit der industriellen Revolution. Doch kaum ein Politiker erkenne das, geschweige denn kümmere sich darum.

Es sind krasse Thesen, mit denen der Philosoph Richard David Precht derzeit zum Star in TV-Talkrunden und auf Veranstaltungen avanciert. Seine Thesen sind düster, allzu düster. Im Kern hat er aber natürlich recht: Wie sehr die Digitalisierung und Automatisierung unsere Wirtschaft und unser Leben verändern wird, erahnen wir vielleicht, können es im Detail aber noch gar nicht fassen.

Die Automation wird nicht nur zahllose Produktionsjobs vernichten, auch hochwertige Tätigkeiten – ob in der Justiz oder Medizin – werden irgendwann Maschinen übernehmen. Wie wir unsere Gesellschaft organisieren, wenn viele Menschen in der Arbeitswelt nicht mehr gebraucht werden, ist im öffentlichen Diskurs aber noch gar kein Thema. Das sollten wir rasch ändern, selbst wenn es nicht so dramatisch kommen sollte, wie es Precht schildert. Denn schon jetzt ist offenkundig: Ganze Industrien werden durch die Digitalisierung umgekrempelt. Am Anfang stand die Musikindustrie, derzeit schüttelt es die Medienbranche durch – und auch in der Autoindustrie bleibt kein Stein auf dem anderen. Gemeinsam ist all den Umwälzungen: Sie machen unser Leben einfacher, sorgen aber für gesellschaftliche Brüche – und führen zu Machtkonzentrationen. Google, Apple, Facebook, und Amazon haben schon jetzt eine Stärke, wie sie in der Wirtschaftsgeschichte (fast) beispiellos ist.

Das heißt nicht, dass wir uns zu Tode fürchten sollten. Sorge und Angst sind kein guter Ratgeber. Sie können aber mithelfen, Debatten, Bewusstsein und politischen Weichenstellungen voranzutreiben. Wir müssen eine neue Gesellschaft denken – eine, in der vieles leichter geht, die viele aber gewaltig fordern wird, weil neue Fertigkeiten nötig werden. Und eine, die unserer kleinteiligen Wirtschaft ermöglicht, sich trotz Machtkonzentrationen zu behaupten. Sonst regieren bald einige wenige über alle.