Filmkritik: „Der junge Karl Marx“

„Hatte Marx doch recht?“ titelte kürzlich „Die Zeit“. Mit der Krise des Kapitalismus erleben seit einigen Jahren die Analysen von Karl Marx eine kleine Renaissance. 2018 feiert der deutsche Philosoph zudem seinen 200. Geburtstag. Kein Wunder also, wenn der Verfasser von „Das Kapital“ nun sein Kinodebüt gibt.

„Der junge Karl Marx“ erzählt von den Jahren 1844 bis 1848. Karl Marx (August Diehl) lebt in dieser Zeit als Mittzwanziger von Existenzängsten geplagt mit seiner Frau Jenny (Vicky Krieps) im Pariser Exil. Als er auf den etwa gleichaltrigen Friedrich Engels (Stefan Konarske) trifft, ist er vom Sohn eines Fabrikbesitzers zunächst wenig angetan. Doch ihre Studien führen sie zusammen. Marx und Engels werden beste Freunde. Gemeinsam wollen sie die Welt verändern. Höhepunkt ihrer Arbeit ist das „Manifest der Kommunistischen Partei“.

Inszenierung:

Regisseur Raoul Peck inszeniert die Frühzeit der kommunistischen Bewegung in Form eines opulenten Ausstattungskinos. Die Kamera streift durch Armenviertel, englische Fabriken und verrauchte Versammlungsräume. Die Bilder des Elends sind jedoch mitunter zu künstlich und schön, um zu berühren. Entgegen den radikalen Ansprüchen seiner Helden folgt der Film überraschend brav den Pfaden eines konventionellen Biopics. Politik und Privatleben halten sich die Waage. Zuerst wird über die Bourgeoisie gewettert, dann steht eine Geburt an: „Es ist ein Mädchen“, verkündet die Mutter, woraufhin Marx meint: „Schon wieder!“ Gesprochen wird französisch, englisch und deutsch, auch die Schauspieler kommen aus mehreren Ländern. Produzenten sprechen da gerne von „Europudding“.

Botschaft:

Auf dem Programm steht klarerweise nichts Geringeres als die Revolution: „Es gibt kein Glück ohne Auflehnung!“ Dem Aufruf mangelt es jedoch an Dringlichkeit.

Der bewegendste Moment:

Am Ende wird eine Brücke zur neueren Geschichte geschlagen. Man sieht Bilder von Che, Kennedy, 1968, Mandela, der Finanzkrise und Bob Dylan singt „Like a Rolling Stone.“

Fazit:

„Der junge Karl Marx“ ist eine unterhaltsame Geschichtsstunde im Kino, dem Denken von Marx wird es jedoch wohl nicht gerecht. (Ab 24. März in den Kinos)

Helmut Hollerweger

Das vollständige Kinoprogramm finden Sie hier.

Foto: Filmladen