Der Supermarkt-Western, Teil 2

Was ich bisher im Western über das wilde Duell zwischen den Supermarktkassiererinnen und mir außen vor gelassen habe: die anderen Menschen. Meistens kauf ich ja nicht allein in so einem Supermarkt ein und steh deswegen auch nicht allein an der Kassa. Menschen sind unglücklicherweise immer überall.

Die Supermarktkassa ist in dieser Hinsicht ein GAS: größter anzunehmender Stresspunkt. Wie in einem Trichter kommen am Ausgang alle zusammen, müssen sich auf engstem Raum in eine Schlange stellen, und jeder ist von vornherein gereizt. Die Einkaufswagen verstopfen die Verbindungswege, einer drängt sich vor, ein anderer ruft nach einer weiteren Kassa, noch ein anderer hat was vergessen, lässt seinen Wagen in der Mitte stehen und rennt davon, und irgendwo brüllt ein Kleinkind, das ist ein Naturgesetz – irgendwo im Supermarkt brüllt IMMER ein Kleinkind. Die Kassiererin ist genervt, weil wir nicht schnell genug sind, wir sind genervt, weil die Kassiererin zu schnell ist, und eigentlich möchte jeder nur endlich sein Klump haben und nachhause fahren.

Karikatur: Thomas Selinger. www.seli.at

An der Supermarktkassa trifft man auf verschiedene Typen: zum Beispiel auf die Leberkassemmerlholer vom Bau, die nicht viel Zeug haben, aber alles ausbremsen, weil sie einzeln zahlen. Die unbelehrbaren Weiber, die alles ausbremsen, weil sie glauben, die Einkäufe gleich einpacken zu müssen, also Frauen wie mich. Die Oldies, die zwar nur einen Rotweinkuchen und Katzenfutter kaufen, aber alles ausbremsen, weil sie mit zittrigen Fingern das passende Kleingeld im Börsel nicht finden und sich außerdem mit diesem neuen Euro nicht auskennen. Die Leute, die gedacht haben, die wenigen Dinge, die sie brauchen, ohne Wagerl transportieren zu können, und die jetzt alles ausbremsen, weil sie die Sachen vom Unterarm bis unters Kinn stapeln und dabei gleichzeitig bezahlen müssen.

Und wenn man die Liste weiterführt, merkt man: Es gibt eigentlich niemanden, der den Kassaprozess nicht ausbremst, weil wir halt Menschen sind und keine Maschinen. Überraschung! Aber statt zusammenzuhalten und uns dem Stress, den die Supermarktplaner künstlich erzeugen, zu verweigern, kämpfen wir nicht nur gegen die Kassiererin, sondern auch gegeneinander. Da wird gerempelt und gegiftelt, es entstehen Diskussionen, wer denn nun den Warentrenner auflegen muss, der Hintere oder der Vordere, es wird mit den Augen gerollt und bös in den Bart gemurmelt. Deswegen geht es aber auch nicht schneller! Wir sollten einfach chillen. Genug Proviant haben wir ja dabei.

Mareike Fallwickl arbeitet als freie Texterin und Lektorin. Mail: interaktiv@svh.at

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