Der Haubenwirt im Nebenerwerb

Nun gibt es Menschen, die meinen, Lehrer hätten die Arbeit nicht erfunden. 24 Wochenstunden Unterricht, monatelang Ferien – und das bei vollem Gehalt.

Es können aber Pädagogen einen der ihren als schwer schuftendes Gegenbeispiel vorschicken: Gregor Langreiter unterrichtet Kochen an der Landwirtschaftlichen Fachschule in Bruck an der Glocknerstraße und führt abends als Küchenchef sein Restaurant in Rauris. (Zuvor war er 13 Jahre lang Küchenchef im Altenheim.)

Stets zwei fordernde Beruf also. Wobei man sagen muss, es ist mit dem Nebenerwerbs-Wirt ebenso wie mit dem Landwirt im Nebenerwerb: Der eigene Betrieb trägt nicht genug zum Leben.
Dabei schmückt seinen Gusto im Wörtherhof seit vielen Jahren die Haube, als einziges Restaurant zwischen Goldegg und Zell am See. Und man kann wirklich nicht sagen, dass Langreiter bei der Ausstattung Geld verschwendet mit Design und solchem Firlefanz. Das Lokal ist gemütlich und sauber, das muss reichen. Sohn Maximilian werkt mit in der Küche. Das Service schupft Ehefrau Anita, die auch die hauseigenen Pensionsgäste umsorgt und sogar als Süßspeisen-Köchin einspringt. Sie lacht auf die Frage, ob denn nun das gute Essen quasi das Hobby ist neben dem Lebensunterhalt: „Ja, schaut so aus.“

Der Vorkoster vergibt: 14 von 20 Punkte

Umsatzfördernd wirken die demnächst stattfindenden Rauriser Literaturtage. Da organisiert der Rotary Club eine Lesung im Gusto – na klar, mit einem Festmahl hinterher. Auch Büchermenschen wissen Spitzenküche zu schätzen. Wir konnten unter zwei Menüs wählen: Drei Gänge um 43,80 Euro und vier Gänge um 62,50 Euro, jeweils mit hübschen Happen zuvor. Und wie immer, wenn nicht bloß für Urlauber sondern für Einheimische gekocht wird, verlassen Zutaten und Zubereitung gerne das enge Tal.

Da war der Gemüsesalat zum wunderbar zarten Stück vom Rindsrücken mit Ananas, Limetten und Chilli thai-exotisch angemacht, die Vorkosterin schnurrte. Ein prächtiger marinierter Tunfisch samt Tatar sah sich süßsauer von Mango-Apfel-Ragout begleitet. Pinienkerne sorgten für Knackpunkte in einem suppigen Risotto zum gebratenen Saiblingsfilet. Ein offenbar glücklich aufgewachsenes Bio-Kalb stellte Wangerl (geschmort) und Rücken (gebraten) zur Verfügung samt Topinambur-Püree. Und Anitas Desserts: sanft-nougatartig ein Schokomousse und erstklassig ein süß angemachter Bauerntopfen, da wollte der Vorkoster das Töpfchen ausschlecken. Dazu vom Gregor, höchst intensiv, ein Zwetschken-Sorbet. Weil jedes Gericht genau abschmeckt wurde, schmeckt alles richtig gut. Ohne Frage haubenwürdig.

Die Weinkarte bietet ein paar interessante Flaschen an, allerdings allesamt jenseits der 30 Euro ausgepreist. Wir sahen viele der jungen Gäste Bier trinken.
Wieso sich Gregor Langreiter den Doppelberuf antut? Wohl weil er ein Wirtshauskind ist, aufgewachsen im elterlichen Gasthof Grimming im Rauriser Zentrum. Das prägt. Und so können sich sowohl seine Schüler als auch seine Gäste glücklich schätzen ob seines Kochenkönnens.

Gusto im Wörtherhof
Dorfstraße 22, Rauris
Tel. 06544/64044

Titelfoto: Wörtherhof

Bild: Marco Riebler

Der Vorkoster

Mister Vorkoster! Er testet die Gastronomie – unabhängig und anonym. Exklusiv im SALZBURGER FENSTER.

Die Bewertungskriterien

Unsere Punktewertung orientiert sich an internationalen Regeln: 20 Punkte sind der Höchstwert.  9 Punkte und darunter: Kost mit groben Mängeln. 10 Punkte: deutliche Mängel. 11 Punkte: durchschnittliche Kost. 12 Punkte: gute Kost. 13 und 14 Punkte (eine Haube): sehr gute Kost. 15 und mehr Punkte (zwei bis vier Hauben): exzellente Kost.

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