Haufenweise Beschwerden gegen Taxler: Nun kommt auch am Bahnhof ein Schranken

Die Innung geht gegen schwarze Schafe vor: Kurzfahrten werden abgelehnt, zu hohe Preise verlangt, raue Töne angeschlagen. Trauriger Höhepunkt: Der sexuelle Übergriff eines Taxlers auf eine 16-Jährige. Lesen Sie, was Kunden berichten.

430 Taxis kämpfen in der Stadt Salzburg um Kunden und Umsätze. In diesem harten Verdrängungswettbewerb seien „Sitten wie auf dem  Balkan“ eingerissen, sagt die Standesvertretung. Das bekämpfe  man.

Eine Gruppe von 70 Fahrern mit Migrationshintergrund rebelliert gegen die Maßnahmen der Kammer mit Streiks  und Klagen vor Gericht. Ihre Wortführer sprechen von einem „Diktat“ der Funktionäre, ausländische Fahrer würden  diskriminiert.  Ein Pulverfass. Das SF recherchierte die Fakten.

„Taxifahrer warf Kundin aus dem Auto“

Die Sparte Transport in der Wirtschaftskammer erhalte „täglich Beschwerden“, sagt     Geschäftsführer   Stefan Pfisterer.     Hotspot ist laut dem Fachgruppenobmann Erwin Leitner der Standplatz am Hauptbahnhof.   „Dort tun ein paar Leute, was sie wollen.“  Im Juli wollen die ÖBB  deshalb einen Zufahrtsschranken  wie am Flughafen montieren.  50 Beschwerden hat die Taxiinnung  zuletzt   an die zuständigen Behörden der Stadt, an die Finanz und Polizei weitergeleitet.  Dem SF liegen sie vor.

Sehr oft würden kurze Fahrten abgelehnt. Einer Mitarbeiterin aus Deutschland sei das gleich zwei Mal passiert, schrieb  der Geschäftsführer eines Salzburger Beratungsinstituts. „Die Kollegin wollte vom Bahnhof in ihr Hotel an der Lehener Brücke.  Als sie  in ein Taxi einstieg, warf sie der Fahrer  aus dem Auto, mit dem Argument: ,So eine Strecke fahren wir nicht.’“ Wann würden die Stadt und die ÖBB „endlich etwas unternehmen?“

Nach Berchtesgaden  über den Dürrnberg

Ein Paar wollte im strömenden Regen mit Koffern  zum nahe gelegenen Gasthof Auerhahn. Als der Fahrer die  Adresse vernahm, „sagte er wortwörtlich ,Kruzefix’. Das Fußballspiel lief lautstark am iPad“.  Am Ziel stellte  der   Fahrer erst nach einer lautstarken Auseinandersetzung eine Rechnung „wegen 5,20 Euro“ aus, „zerknüllte sie und warf sie mit den Worten ,Raus aus meinem Taxi!’ zu mir nach hinten. Eine Frechheit“, ärgerte sich die Kundin.

Ein Stadt-Salzburger, der nach Hause  nach Lehen  fahren wollte, fand vor dem Bahnhofsgebäude: „Alle Taxis leer, Fahrer, die diskutierten, rauchten und Kaffee tranken. Auf meine   Frage, wer fahren wolle,  wurde ich ausgelacht.“ Und ein Lenker fuhr einen Gast vom Bahnhof nach Berchtesgaden – über den Dürrnberg,   „Er kassierte    75 Euro. Normal kostet das  50“, so Erwin Leitner.

Macho-Manieren, Disziplinlosigkeit

Anrainer am Bahnhof beklagen sich über „aggressives und disziplinloses Verhalten“ einiger Fahrer. Der Security-Dienst des Forum Kaufhauses fotografierte, wie Taxis  in der Nacht kreuz und quer standen und die Feuerwehreinfahrt   verstellten. Als er dies beanstandete, eskalierte die Situation. Der Mann rief die Polizei.

Selbst Taxilenkerinnen beschweren sich über Macho-Manieren.  Sie sei „als viertes Taxi zum Standplatz gekommen, als ein Herr von mir  zum Flughafen  gebracht werden wollte“, berichtete eine Fahrerin. Sie habe ihn an  den erstgereihten Lenker verwiesen – der  „Sekunden später vor mir stand und mir massiv drohte, ich soll mich ins Auto setzen, ich bin  nicht Erster, ich  bräuchte nicht herumzustehen.“ Der aufgebrachte   Kollege habe den  Kunden schließlich „zu einer anderen Lenkerin geschoben“, weil – „am  Bahnhof gilt   ein anderes Gesetz.“

Was eine Verkehrsuntersuchung der Stadtplanung, die den Standplatz an drei Tagen beobachten ließ, bestätigt: Demnach nutzten  30 Taxis auch die Behindertenparkplätze  der Kiss&Ride-Zone, standen  „auf dem Schutzweg und behinderten Fußgänger oder den Verkehr.“

Minderheit benimmt sich daneben

Peter Tutschku, Spartenobmann  für Transport und Verkehr und Chef  von 81-11,   will wieder  gesittete  Verhältnisse.  „Es ist eine absolute Minderheit, die sich  daneben  benimmt.     Aber sie vermasseln unser Image. Viele Lenker fahren den Bahnhof  gar nicht mehr an.  Es gibt dort tätliche Auseinandersetzungen,  man wird bedroht, wegen Fuhren, wegen allem Möglichen.“

Der „Super-GAU“ war laut  Tutschku jedoch „der sexuelle Angriff eines Fahrers auf ein 16-jähriges Mädchen in der Silvesternacht.“ Was der Täter, ein Inder, zunächst bestritt. Jetzt entschuldigte er sich, zahlte  außergerichtlich  Schmerzensgeld. „Die junge Frau wollte ihm  nicht noch einmal gegenüber treten“, sagt ihr Anwalt Klaus Perner.

„Fahrer spricht kein Deutsch“

Im Mai 2016 übertrug der Flughafen den Taxistand an die Funktaxi-Vereinigung 81-11. Die Zustände waren nicht mehr tragbar, sagt Airport-Sprecher Alexander Klaus. „Die Fahrer haben oft zu streiten begonnen, dass die Polizei kommen musste. Die Klagen waren immer dieselben: Der Fahrer spricht kein Deutsch, er verweigert Fahrten und verlangt bei längeren Strecken  unerhörte Preise.“ Arabischen oder englischen Gästen knöpfte man für die Fahrt   nach Saalbach 400 Euro ab – den doppelten Tarif, weiß Tutschku. Im Mystery Check, einer anonymen Kundenbefragung des Airports,   lag der Taxi-Service damals an letzter Stelle – „jetzt stehen wir auf Platz eins.“

Der Zufahrtsschranken mit einem Euro Einfahrtsgebühr ist den Innungskritikern der größte Dorn im Auge. Sechs Lenker rumänischer und afrikanischer Abstammung haben dagegen  geklagt – und sind vorerst beim Bezirksgericht abgeblitzt.  Petru Cojocarel,   Obmann der „IG  Taxi Salzburg“, will auch gegen den ÖBB-Schranken vorgehen. „Jeder Fahrer hat das Recht, den Flughafen  und den Bahnhof zu befahren. Diese Leute zahlen doch Steuern.“ Die mit 81-11 zu unterzeichnende Vereinbarung hält man für „sittenwidrig“ und „erniedrigend“. Darin wird die Einhaltung der Bestimmungen gefordert und, dass  „Murren oder Unmutsäußerungen gegenüber Fahrgästen“ zu unterlassen sei.

Taxi-Rebellen ziehen vors Landesgericht

Rechtsanwalt Kurt Kozak zieht für die Taxi-Rebellen nun vor das Landesgericht in die zweite Instanz. „Die muss jetzt prüfen, ob 81-11  diesen Wegzoll verlangen darf und ob die das wertfrei machen. Außerdem fühlen sich die Taxifahrer  am Flughafen bespitzelt.“

„Die Türken sind eine gut organisierte Gruppe“

Die Funkvereinigung 81-11 ist der Platzhirsch. Man vermittelt täglich 3000 Fahrten. Jeder zweite Fahrer oder Unternehmer ist Zuwanderer. Werden sie benachteiligt?
Tutschku sagt Nein. „Die Türken sind eine große, gut organisierte Gruppe. Über sie gibt es kaum Beschwerden.“

2800 Euro netto überweist der Flughafen im Schnitt im Monat von der Zufahrtsgebühr. Davon bezahle man eine Vollzeitkraft, die Wartung. „Der Euro ist kein Geschäft, dazu gibt es auch ein Gutachten“, so Tutschku.

Sonja Wenger

Foto: Riebler