Flohmärkte im Trend: Die neue Liebe zu alten Dingen

Gebrauchtes, igitt? Das war einmal. Flohmärkte werden wieder gestürmt. Weil’s persönlich ist, Geld spart, die Umwelt schont. Ein extra „hipper“ Flohmarkt findet kommenden Sonntag, 19. März, in der Panzerhalle statt, der Schwesterherz Mädchenflohmarkt.

Schönes Ambiete, Musik, DJs, edle Gastronomie: Dieses Wochenende schlagen in der Panzerhalle  junge Frauenherzen höher. Nein, es geht keine Fashionshow über die Bühne. Es ist ein Flohmarkt, der  einen Besucheransturm erwarten lässt.  Trotz sechs Euro Eintritt, trotz knapp 50 Euro Standgebühr. Er könnte noch mehr verlangen, so groß sei das Interesse, sagt Julian Bents, der den „Schwesterherz Mädchenflohmarkt“ veranstaltet.

Kein Platz mehr im Kleiderschrank? Da können Flohmärkte Abhilfe verschaffen. Der Schwesterherz Mädchenflohmarkt setzt auf die junge, weibliche Zielgruppe, in der Panzerhalle legt auch ein DJ auf. Foto: Ilove-Events

Wohin man dieser Tage auch blickt: Flohmärkte erleben einen Ansturm. Ihr einst verstaubtes Image haben sie abgelegt – sie sind wieder „in“, trotz  oder gerade wegen  all der Online-Portale,  der um sich greifenden Digitalisierung, die als unpersönlich empfunden wird.

 „Gebrauchte Kleidung ist sozial wieder akzeptiert“

„Man hat heute wieder mehr Bezug zu den Dingen, eine größere Sensibilität“, sagt Nachhaltigkeitsexperte Hans Holzinger. Und die Haptik, also das Angreifen und Erfühlen eines Gegenstandes, könnten Online-Börsen nicht bedienen. Noch einen Grund kennt Holzinger für die Renaissance von Flohmärkten: „Das Image von Gebrauchtkleidung hat einen Wandel vollzogen. Secondhand ist im Unterschied zu früher sozial akzeptiert.“ Er selbst habe gebrauchte Hemden gekauft, „die waren top“. Aus ökologischer Sicht mache Secondhand mehrfach Sinn: Es schont Ressourcen und Energie und reduziert Müllberge. Das sei vielen eine Motivation,  ebenso, dass man Geld spart.

Michaela Seidl-Walkner (40)  aus Taxham trifft man regelmäßig auf Flohmärkten. Sie rückt immer gemeinsam mit einem Freund aus. Für sie  ist es ein Freizeitvergnügen. Und: „Man spart  viel Geld.“ Die dreifache Mutter, die selbst eine Kindersachenbörse organisiert, kauft    gern Kindersachen, Bücher und Deko. Kleidung  für sich eher nicht, außer es steche ihr etwas ins Auge. So wie einst eine Trachtenjacke um 10 Euro. „Die schaute aus wie neu. Ich habe sie für meine Hochzeit gekauft und auch getragen.“

Michaela Seidl-Walkner geht regelmäßig auf Flohmärkte. Sie kauft dort vor allem Gebrauchtes für ihre Kinder. Das freut Sohn Christoph.
Foto: Tschalyj

 Alt und Reich, Jung und Alt trifft man auf Flohmärkten

Secondhand-Ware als  Hochzeitsstück!  Gebrauchtes ist raus aus der Schmuddelecke, auch weil die Qualität gestiegen ist. Arno Loipold, der seit  2010 den Flohmarkt beim Modemarkt Adler in Wals-Himmelreich betreibt, beobachtet ein bunt gemischtes  Volk an den Verkaufsständen. „Jung und Alt, Arm und Reich sind da. Auch Hoteliers, Direktoren, Doktoren trifft man an“, sagt Loipold. Bis zu 100 Plätze hat er an Verkäufer zu vergeben. Nach Ostern und vor Weihnachten sei der Zulauf am größten, da könne es schon passieren, dass er Verkäufer ablehnen müsse. Jeden Sonntag steht er ab zwei Uhr morgens parat, ab fünf rücken die ersten Verkäufer an. Nur zu Weihnachten und Neujahr gönnt sich Loipold eine Pause: „Ich habe meine Leidenschaft zum Beruf gemacht.“

Nicht weit davon entfernt betreibt Heinz Buchroither  den Metro-Flohmarkt. Ursprünglich war er auf Antikes spezialisiert, dafür sei der Markt aber eingebrochen. Buchroither sattelte auf klassischen Flohmarkt um, bietet jetzt Antikes nur   noch ein Mal im Monat und hat „enormen Zulauf“.  Bei Kindersachenbörsen sei es genauso, sagt er.

In der Panzerhalle starten unterdessen die Vorbereitungen für den Mädchenflohmarkt. Veranstalter Julian Bents  von der Agentur Ilove-Events ist mittlerweile groß im Geschäft. Vor knapp zwei Jahren startete er den  „Schwesterherz Mädchenflohmarkt“ in Deutschland. Jetzt wickelt er bis zu 80 Märkte   in 25 Städten im Jahr ab.  Seine Zielgruppe sind Frauen von 18 bis 32 Jahren. Trotzdem dürfen  auch Männer rein, auch wenn es kaum Angebot für sie gibt. „Meist tragen sie die Einkaufstaschen ihrer Freundinnen“, lacht Bents.

Von Petra Suchanek

Flohmärkte in Salzburg

Dauerflohmärkte 
Wals-Siezenheim:
Megaflohmarkt bei Adler, jeden So., 7–14 Uhr;
Metro-Flohmarkt, jeden So., 9–13 Uhr
Stadt Salzburg:
Floh – und Edeltrödelmarkt, Münchner Bundesstraße (Merkur), jeden So., 8-13 Uhr

Was ist sonst noch los?
Stadt Salzburg:
17. & 18.  März, Kleingmainersaal, Der Besondere Flohmarkt;
19. März, Panzerhalle, 14–18 Uhr, Schwesterherz Mädchenflohmarkt, Eintritt
Berndorf:
18. und 19. März, Alter Pfarrhof, KIWANIS Riesenflohmarkt,  Sa. 10–17 Uhr, So. 10–16 Uhr
Hallein:
19. März, Flohmarkt Interspar, 8–13 Uhr
Oberndorf:
24. bis 26. März, ehem. Laber Druck, Benefiz-Flohmarkt des Rotary Club
Wals:
Walserfeldhalle, 17. – 19. 3.,  Radtauschbörse
Alle Infos: flohmarkt.at/flohmaerkte/salzburg