Wem gehört die Altstadt?

Ein Spaziergang mit Inga Horny gibt Einblicke.

Als Kind wollte Inga Horny Museumsdirektorin werden. Jetzt ist sie Geschäftsführerin des Salzburger Altstadtverbandes. „Mein Traum hat sich also eigentlich erfüllt“, sagt sie schmunzelnd. Denn die Arbeit für die Salzburger Altstadt sei mindestens genauso spannend wie die im Museum. So ist es nur logisch, dass Horny die Route für den Spaziergang auswählt. Sie soll uns Salzburgs pulsierendes Herz ganz persönlich näherbringen.

Gestartet wird nicht bei Mozart oder Karajan, sondern in der Gstättengasse. Touristen sieht man hier keine. „Tourismus ist aber auch kein Qualitätsmerkmal für einen Stadtteil“, so Horny. Die Gegend rund um die Gstättengasse sei der junge, urbane Puls der Altstadt. „Wir brauchen uns keine Sorgen machen, dass die Jungen nicht mehr ins Zentrum kommen. Spätestens Freitagabend sind sie hier zum Fortgehen“, erklärt sie.

Rechte oder linke Altstadt?

Vom Ursulinenplatz führt Horny schnurstracks auf die rechte Altstadtseite, wo man die urbane Szene noch stärker spürt. „Vor allem die Entwicklung in der Bergstraße mit dem Kunstquartier und den neuen Lokalen ist schön.“ Andräviertel und Schallmoos seien auch die Spitzenreiter in Sachen Lebensqualität. Ob die rechte Altstadt den Einheimischen und die linke ausschließlich den Touristen gehöre? „Das stimmt absolut nicht“, so Horny. Wer den Spagat zwischen Fremdenverkehr und Stammkundschaft schaffen wolle, müsse die Bedürfnisse der Einheimischen befriedigen: „Ich bin fest davon überzeugt, dass Geschäfte, die ihr Sortiment nach den Einheimischen ausrichten, auch Touristen anlocken.“

Der Kampf gegen die Digitalisierung

Der Spaziergang geht weiter durch die Steingasse und zurück zur Salzach. Hier wird es ruhiger. Zeit, um durchzuatmen und einen Blick in die Zukunft zu wagen. Was die Altstadtchefin besorgt? „Vor allem über die Digitalisierung müssen wir uns Gedanken machen“. Der Erfolg von Online-Shops könnte die Frequenz in der Altstadt senken. Für Inga Horny liegt die Lösung im Service. „Ein Geschäft muss ein Ort der Begegnung sein. Denn auf Kommunikation kann der Mensch nie verzichten.“

Deshalb werde der Gastronomie-Sektor in der Altstadt in den nächsten Jahrzehnten weiter wachsen. Soziale Begegnungen sind auch das Ziel des „eat and meet“-Festivals. Den ganzen März lang werden in zahlreichen Lokalen Kulinarik-Events angeboten. „Damit versuchen wir, die Einheimischen verstärkt in die Altstadt zu ziehen“, sagt Horny.

Sie sieht aber auch eine größere Nachfrage nach Wohnraum in der Altstadt. Dass Salzburg ein teures Pflaster zum Leben ist, sei nicht unbedingt ein Hindernis: „Das ist eine Frage der Wertigkeit. Es gab schon Zeiten, da hat man die Hälfte seines Einkommens für Wohnen ausgegeben.“ Das Einfamilienhaus am Land mit Gartenzwerg und Thujenhecke sei jedenfalls ein Auslaufmodell, glaubt Horny. „Die Leute wollen nicht mehr pendeln, speziell im Alter. Wenn ich 70 bin, will ich nicht auf eine leere Wiese blicken. Ich will aus dem Fenster schauen und Leben sehen.“

Ist Salzburg eine „Schnöselstadt“?

Problematischer als das Wohnen sei der Verkehr. „Ich verstehe, warum der Bus für viele nicht attraktiv ist. Der Takt ist zu groß und die Strecken sind oft lang und kompliziert.“ Als gebürtige Grazerin habe sie einen guten Vergleich. „Dort funktioniert der öffentliche Verkehr ganz anders“.

Der Spaziergang neigt sich dem Ende zu. Am Karajanplatz spürt man den einsetzenden Berufsverkehr. Das Festspielhaus prangt erhaben vor dem Mönchsberg. Bleibt die Frage: Ist Salzburg eine Stadt der Reichen und Schönen? Oder gar eine Stadt der Schnösel? Inga Horny zögert kurz. „Gegen manches Klischee ist leider kein Kraut gewachsen“.

 

Katharina Maier