Schweiger Deli: Junge Gastronomin bricht mit alten Sitten

Der Weg in die Selbstständigkeit hat für Salzburgs vermutlich jüngste Kaffeehausbesitzerin heftig begonnen. Anfangs musste Juliana Vorderegger viel Kritik ertragen.

„Die Leute haben so getan, als ob ich ihnen was weggenommen hätte“, erzählt sie. 2014 hat sie aus dem allseits bekannten Café Schweiger in Itzling das „Schweiger Deli“ gemacht. Größer hätte die Veränderung nicht sein können: Das Schweiger Deli hat sich zum Treffpunkt für das junge, hippe Salzburg gemausert. Statt Riesentorten gibt es kleine, hausgemachte Desserts im Glas. Die Limonaden werden selbstgemacht und zu Essen gibt es Flammkuchen und gesunde Suppen.

„Die Zielgruppe hat sich komplett verändert. Die Gäste vom alten Schweiger konnten mit mir nichts anfangen“, erzählt Vorderegger. Von denen musste sie sich einiges anhören. „Aber ich habe aufgehört, irgendwen überreden zu wollen.“

Nach fast drei Jahren kann Vorderegger sagen: Ihr Durchhaltevermögen hat sich ausgezahlt. Die Gäste, die jetzt ins Schweiger Deli kommen, kennen das alte Café höchstens noch vom Eis-Essen mit Oma und Opa. Neben der Laufkundschaft profitiert Vorderegger von regelmäßigen Geburtstagsfeiern, Konzertabenden und sogar Hochzeiten, die in ihrem Café veranstaltet werden. Im angrenzenden Coworking-Space mieten sich junge Selbstständige monatsweise einen Arbeitsplatz.

 

„Als Frau wirst du in der Gastronomie unterschätzt“

Eigentlich wollte Juliana Vorderegger niemals in die Gastronomie. „Während meiner Zeit in der Tourismusschule habe ich gesehen, wie viel Arbeit das ist.“ Nach einem Zwischenstopp in der Wiener Luxus-Hotellerie kam sie aber wieder nach Salzburg. Mit dem Schweiger Deli hat sie sich selbst verwirklicht – auch, wenn ihr viele Steine in den Weg gelegt wurden.

„Als Frau hast du es eindeutig schwerer. Gerade in der Gastronomie werden wir richtig unterschätzt“, ist sich Vorderegger sicher. „Es gab einige, die ein Problem damit hatten, dass eine so junge Frau plötzlich mit der Tradition bricht und etwas Neues erschafft“. Zwischendurch hat sie sogar ans Aufhören gedacht. „Aber diese Genugtuung wollte ich den Kritikern nicht gönnen. Man muss einfach an seiner Einstellung festhalten. Darum möchte ich auch anderen jungen Frauen raten: Traut euch!“

Katharina Maier