Dann klappt’s auch mit den Nachbarn

Vertrauensnachbarn kümmern sich um ein gutes Miteinander in städtischen Wohnlagen. Kein Strom? Schlüssel weg? Sie sind keine Hilfssheriffs, aber immer da.

Kürzlich hat ein Kind seinen Schlüssel vergessen. Es klingelte bei Ekaterina Toska und wartete in deren Wohnung zwei Stunden, bis die Mutter kam. Auch wenn der Lift kaputt ist oder es in Block 18F einen Stromausfall gibt, ist Toska zur Stelle. „Es geht nicht darum, den Hausmeister zu ersetzen, aber ich bin da und weiß, welche Stellen sich um ein Problem weiter kümmern“, sagt die rüstige Pensionistin, eine Austroalbanerin. Im Dezember hat sie den  ersten Kurs für „Vertrauensnachbarn“ abgeschlossen.

Mit ihr Theresia Allmer. „Es ist kein Job in dem Sinn“, sagt sie, aber als Vertrauensnachbarin versuche sie einfach, mit offenen Augen und Ohren durch die Nachbarschaft zu gehen. Im Alltag gehe es  darum, für jemanden ein Packerl anzunehmen oder sich wechselseitig zu kochen, einen Kaffee miteinander zu trinken. Den Schlüssel   sehen beide Damen in der Kommunikation. Die schafft  Nähe und Vertrauen zwischen den Bewohnern.

Beim Grüßen: Steter Tropfen höhlt den Stein

Deshalb ist beiden Damen auch das Grüßen so wichtig. Dabei merken sie, dass steter Tropfen   den Stein höhlt – wie es so schön heißt. „Auch wenn einer  zunächst recht abweisend ist, später bekommt man dann oft ein Lächeln zurück“, sagt Toska.  Am Stadtwerk-Areal Lehen, wo  rund 800 Menschen in etwa 370 Wohnungen leben, funktioniere das gut. Sie würden sich  nicht fürchten, wenn sie nachts allein durch die Anlage gehen, sagen die Damen.

Wo dicht an dicht gewohnt wird,  gerät man schneller aneinander. Auch in diesem Fall können Vertrauensnachbarn eine Art Frühwarnsystem sein. Sie sind im ständigen Austausch mit Bettina Gruber, die den vom Hilfswerk am Gelände betriebenen Nachbarschaftstreff koordiniert – und  das Duo Allmer/Toska für die Ausbildung zu Vertrauensnachbarn vorgeschlagen hat. Diese umfasst fünf Module. Unter anderem referieren dort ein Arzt und die Polizei.

Wir suchen konstruktive Leute mit Hausverstand

Die Idee zieht Kreise. Für die im April startende zweite Auflage interessiere sich nun eine voll berufstätige junge Frau, erzählt Gruber.  Die Stadt begann Vertrauensnachbarn auszubilden, nachdem eine Tagung im März 2015 mit über 100 Teilnehmern aus vielen Fachbereichen „auf enorm hohe Resonanz“ gestoßen sei, erzählt Ursula Sargant-Riener, Projektleiterin seitens der Stadt. Sie legt Wert darauf, dass Vertrauensnachbarn keine Hilfssheriffs, Dompteure oder professionelle Mediatoren (die gibt es auch!) sind, sondern konstruktive Leute mit Hausverstand und Zivilcourage. Geht es nach Sargant, gibt es über die Stadt verteilt bald 50, 60 Leute, die nach Vorbild Allmer/Toska die Nachbarschaften zum Blühen bringen.

Wollen auch Sie Vertrauensnachbar werden?
Die Stadt Salzburg bietet schon bald einen weiteren kostenlosen Kurs an. Er findet in der Volkshochschule statt, ab April geht es wieder los: immer freitags von 15 bis zirka 20 Uhr (Termine: 21.4., 28.4., 5.5., 12.5., 19.5.) Um eine Anmeldung  unter  Tel.:  0662-8072-2046  wird gebeten.

von Sigrid Scharf

Bildtexte (von links): Theresia Allmer, Bettina Gruber, Ekaterina Toska. Bild: SF/Scharf