„Schönheit ist nicht das Ziel“

Der Anifer Star-Markendesigner Gerald Kiska gab am Rand eines Symposiums dem „Salzburger Fenster“ ein Interview und erklärt, worauf es bei einer Marke wirklich ankommt.

Liegt Schönheit im Auge des Betrachters?
Gerald Kiska: Schönheit ist kein Ziel unserer Arbeit, sondern Treffsicherheit, Dinge so zu gestalten und Marken so anzulegen, dass sie von der Zielgruppe verstanden, akzeptiert und mehr noch ersehnt werden. Ob das Ergebnis dabei für die meisten schön ist oder nicht, ist irrelevant. Hauptsache, es spricht die Zielgruppe an.

In einem Interview haben Sie vor zwei Jahren gesagt, Sie sitzen nicht mehr selbst am Schreibtisch und designen – sie hätten lediglich ein wachsames Auge. Haben Sie die Lust am Designen verloren?
Nein. Wir sind im Unternehmen mittlerweile 220 oder 230 Leute, da hat man selbst mit dem Zeichenstift nicht mehr viel verloren.

Wie wählen Sie Ihre Mitarbeiter aus?
Das ist ein mehrstufiges Auswahlverfahren, in dem man sich anhand eines Portfolios ein erstes Bild verschafft, was derjenige kann. Dann folgt ein mehrstufiger Interviewprozess. Die Leute werden ein, zwei Tage in die Firma geholt, dann gibt es mehrere Runden mit unterschiedlichen Gesprächsteilnehmern. Wir versuchen herauszufinden, ob derjenige zu uns passt oder nicht.

Fühlen Sie sich am Standort Anif wohl?
Zu spät (lacht). Das war keine strategisch geplante Maßnahme. Wie man im Innviertel sagt: „Es ist beim Machen so wordn“. Aus heutiger Sicht ist das nicht änderbar.

Würden Sie Österreich als unternehmerfreundlich bezeichnen?
Nein, Österreich ist nicht unternehmerfreundlich, man denke an das Besteuerungssystem oder die Arbeitszeitregelung. Ein Vorteil ist die Landschaft.

Welche Herausforderungen sehen Sie mittel- fristig für die Designbranche?
Die Frage ist wo. Europa ist nicht mehr wichtig, die Welt spielt sich woanders ab. Schauen Sie mal nach Asien. Jedes Mal, wenn ich von Asien nach Europa fliege, kommt es mir vor, als fliege ich in ein Altenheim – aufgrund der Dynamik, des Altersdurchschnitts, aufgrund dessen, wie dort der Rauch aufgeht und bei uns alles steht. Bei uns haben die meisten Leute mehr Interesse daran, sogenannte wohlerworbene Rechte zu verteidigen, als darauf zu schauen, was morgen passiert. Europa geht mit dem Gesicht nach hinten durch die Gegend.

Gibt es Kardinalfehler in der Markenpräsentation?
Ja, in der Markenführung gibt es tatsächlich Kardinalfehler. Es scheitert aber auch ein bisschen am Bewusstsein und am Verständnis, wie das funktioniert. Aber vielmehr scheitert es auch noch an der Steuerung eines Prozesses, der notwendig ist, um so etwas konsistent zu führen. Da gibt es nicht nur wenig Bewusstsein, sondern auch zu wenig Manpower in den Unternehmen, um dafür zu sorgen, dass unterschiedliche Dienstleister, Partner und interne Abteilungen, die an dem Thema Marke hantieren, in die gleiche Richtung marschieren.

Trifft das auf alle gleichermaßen zu?
Den ganz Großen wie Audi, BMW oder Apple brauche ich nicht erklären, wie das funktioniert. Spätestens von der mittelständischen Industrie abwärts wird es eine richtige Herausforderung. Da gibt es dann jemanden wie uns, der dann sämtliche Markenkanäle abdeckt.

Gibt es eine Grundregel, an die man sich beim Markendesign halten sollte?
Konsistenz.

Ihre Mitarbeiter kommen aus aller Herren Länder. Gibt es in Österreich diesbezüglich einen Facharbeitermangel?
Derzeit haben wir 34 Nationen in unserem Haus. Wir haben in den letzten 18 Monaten 100 Leute eingestellt (Stand Dezember 2016), da hätten wir sämtliche österreichische Ausbildungsstätten dreimal überbucht. Unser Wachstum geht gezielt weiter. Wir haben Dependancen gegründet in China, USA und Deutschland, verlagern unser Wachstum ein bisschen in andere Länder.

Wenn man Berichte über Sie studiert, findet man nur Superlative. Sind Sie schon einmal gescheitert?
Natürlich. Nur wer nichts macht, macht keine Fehler, sagt ein altes Sprichwort. Das gilt auch für uns.

Zur Person:
Die Kiska GmbH ist eine vielfach ausgezeichnete Design-Agentur mit Sitz in Anif. Gerald Kiska (58) hat das Unternehmen im Jahr 1990 gegründet. Kiska zeichnet für das Markendesign zahlreicher Großkonzerne verantwortlich, darunter Audi, KTM, Adidas und Atomic.

Thomas Strübler

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